Auf Dalarna war ich bei meiner letzten Schwedenreise besonders gespannt. Egal, mit wem ich sprach, von dieser Region haben alle geschwärmt. Sie hatten Recht. Dalarna vereint Alles, was Schweden ausmacht. Natur, Kultur, Pur. Hier habe ich euch einen Querschnitt durch Dalarna zusammengestellt. Ohne Anspruch auf Vollständigkeit.

Wald, Hügel, Seen: Das ist Dalarna. (Foto: Andrea Ullius)

Je mehr ich mich mit der Region Dalarna befasste und sie bereiste, um so mehr war mir klar: Das ist Schweden. Dalarna liegt genau zwischen dem für schwedische Verhältnisse dicht besiedelten Süden mit den Grossen Städten und dem bevölkerungsarmen, unendlich weiten Norden. Wenn du von Süden herkommst, dann kannst du dir in Dalarna erstmals ein Bild von den riesigen Wäldern, den unzähligen Seen und teilweisen imposanten Bergen machen, die sinnbildlich für Schweden stehen.

Dalarna erfüllt Klischees

Dalarna steht sinnbildlich für Midsommar, für schwedische Folklore, für die Dalapferde, für die roten Schwedenhäuser und für Langlauf. Bekannte Kinder Dalarnas sind die Maler Anders Zorn und Carl Larsson. Und bis heute ist noch nicht ganz klar, wie der Siljansee entstanden ist. Dalarna ist derart vielseitig und überwältigend, dass ich in diesem Artikel nur einen Teil der tollen Dinge dieses Schweden Schweden streifen kann.

Wenn du von Süden her kommst, dann sind Ludvika und Avesta die ersten bedeutenden Orte, welche du ansteuerst. Ludvika erreichst du über die Strasse 50 und 64 von Karlstad und Örebro aus. In Ludvika zeigt das Ludvika Gammelgård och Gruvmuseum wie früher die Arbeiten in einem Bergwerg vonstatten gingen. Generell wirst du in Dalarna auf viele Gruben und entsprechende Relikte stossen.

Avesta: Metall und Wisent

Fährst du von Stockholm aus nach Dalarna, dann ist Avesta dein erster Stopp. Auch Avesta ist eng mit der Eisen- und Metallgewinnung verbunden. Ab dem 14. Jahruhundert waren hier Eisenschmieden angesiedelt. Etwas später im 17. Jahrhundert verarbeitete man das in Falun gewonnene Kupfer in Avesta. Bis ins 19. Jahrhundert prägte man hier sämtliche schwedischen Kupfermünzen. Die Geschichte dazu kannst du im Myntmuseum sehen.

Wenn du in Avesta bist, dann wird dir sicher auffallen, dass das Markenzeichen der Stadt der Wisent ist. Der Wisent oder Europäische Bison galt anfangs des 20. Jahrhunderts als beinahe ausgerottet. In Avesta startete man den Versuch, dieses mächtige Tier zu züchten und wenn möglich auszuwildern. Bis jetzt ist dies hervorragend gelungen. Ich habe über den Avesta Vistenpark bereits einen Artikel verfasst.

Avesta Visentpark: Artenpflege pur

 

Falun: Die Wiege des Schwedenrot

Du kennst ja alle diese roten Schwedenhäuschen. Da ist so was von romantisch, finde ich. Die stehen da und sagen dir: Hej, komm rein. Hier bist du Willkommen. Vielleicht erzähle ich dir nicht’s Neues, wenn ich sage, dass die rote Farbe dieser hübschen Häuser aus Falun kommt. Sie ist ein Abfallprodukt der Kupfergewinnung.

Auch in der Falu gruva sind die Häuser rot. (Foto: Andrea Ullius)

Die Farbe, die sogenannte falu rödfärg, wird seit dem 17. Jahrhundert aus pulverisiertem Erz gewonnen. Die Färbung entsteht durch das Eisensulfat, das bei der Kupfergewinnung als Abfallprodukt entsteht. Nebst der roten Färbung bewirkt Eisensulfat euch eine sehr gute Holzkonservierung.

Beliebte Farbe, die Falu rödfärg. (Foto: Andrea Ulius)

Bereits im 11. Jahrhundert wurde von den Bauern erstes Kupfer abgebaut. Die Aktivitäten wurden laufend ausgebaut. Falun erlebte einen wahren Höhenflug während der schwedischen Grossmachtzeit. Im 17. Jahrhundert stammte zwei Drittel der weltweiten Kupferproduktion aus Falun, das damals zu den grössten Städten in Schweden zählte.

Falu gruva
Der grosse Krater ist geblieben. (Foto: Andrea Ullius)

Leider wurde der Bergbau sehr intensiv und relativ planlos betrieben. 1687 stürzten verschiedene Abbauräume und Tunnels ein und bildeten den riesigen Krater Stora Stöten. Er ist etwa 100 Meter tief und hat einen Umfang von 1.6 Kilometern. Wie durch ein Wunder kam bei diesem Unglück niemand ums Leben, da just dann die Midsommarfeier statt fand. Viellicht ist dies mit ein Grund, dass die Midsommar Aktivitäten in Dalarna besonders schön und festlich über die Bühne gehen.

1992 wurde die letzte Grube in Falun geschlossen. Seit 2002 gehört die Falu gruva zum UNESCO-Weltkulturerbe. Wenn du die Grube besuchen möchtest, brauchst du etwas Zeit. Am besten informierst du dich zuerst im Besucherzentrum Världsarvshuset, hier kaufst du auch die Tickets, über den ganzen Bergbau. Sie haben eine tolle multimediale Einführung zusammengestellt. Nun kannst du die Gegend um die Grube selber oder in einer geführten Gruppe erkunden. Verschiedene Museen und Ausstellungen zeigen die Geschichte über den Bergbau und das Leben der Bergarbeiter. Am besten umrundest du den Krater, dann hast du eine grandiose Aussicht über die ganze Anlage.

Falu gruva
Das Besucherzentrum informiert dich über die Falu gruva. (Foto: Andrea Ullius)

Zurück im Besucherzentrum, kannst du dich mit falu rödfärg und anderen Souvenirs eindecken. Selbstverständlich gibt es auf dem ehemaligen Minengelände auch Restaurants und Kaffes für Verpflegung und Fika. Auch diverse Shops mit Kunsthandwerk findest du hier. Die Falu gruva hat das ganze Jahr über geöffnet, wobei das im Sommer mutmasslich mehr Spass macht, als im Winter. Das Museum hat im Winterhalbjahr nur am Wochenende geöffnet.

Falu gruva
Gruvplatsen 1
SWE-791 61 Falun

+46 23 78 20 30
info@falugruva.se
www.falugruva.se

60.600374, 15.616625
https://goo.gl/maps/G3bfNQYTnfG2

Nebst der eigentlichen Grube gehören auch die alten Arbeitersiedlungen zum Kulturerbe. Hier findest du gut erhalten Gebäude, zum Beispiel in der Styraregatan. Am besten schlenderst du einfach etwas in der Gegend rum.

Imposannte Gebäude aus der florierenden Zeit von Falun. (Foto: Andrea Ullius)

Eine wunderbare Kirche ist die Stora Koparbergs Kirche etwas ausserhalb des Zentrums. Ein Besuch wert ist auch der Kaufmannslanden Thunströms köpmansgård an der Slaggatan 31. Im Zentrum findest du den Centralpalatset. Hier wohnte im zweiten Stock Selma Lagerlöf. Weiter gibt es ein Sportmuseum, das ich allerdings nicht besucht habe.

Ein Muss ist das Dalarnas Museum. Das Gebäude wurde vom Architekten Haakon Ahlberg gezeichnet und im Jahre 1962 eingeweiht. Hauptthema des Museums sind die Kultur und Bräuche Dalarnas. Zum Museum gehört auch der Selma Lagerlöf-rumet, der Arbeitsplatz der Schriftstellerin von Nils Holgersson. Weitere Attraktion des Museums ist die Kunsthalle mit wechselnden Ausstellungen.

Dalarna Museum
Das Dalarna Museum ist ein Besuch wert. (Foto: Andrea Ullius)

Dalarna museum
Stigaregatan 2-4
SWE-791 60 Falun

+46 23 666 55 00
info@dalarnasmuseum.se
www.dalarnasmuseum.se

60.606103, 15.627249
https://goo.gl/maps/tLuZTQm9uD62

Falun ist aber auch eine Sportstadt. Speziell im Winter gibt sich hier die Elite der nordischen Skifahrer die Klinke in die Hand. Egal ob Sprungschanze oder Langlaufloipe, hier tobt das Volk wenn die Schweden um Rang und Ehre kämpfen. 2015 fand hier die letzte Nordische Ski-WM statt.

Sie Sprungschanzen von Falun. Das sieht dann Winter bedeutend besser aus. (Foto: Andrea Ullius)

Das moderne Zentrum von Falun hat alles zu bieten, was ein grösser Ort in Schweden für die Einwohner und Gäste braucht. Tolle Shops, Kaffees und Plätze laden zum Verweilen ein.

Mehr Infos gibt es auf der Webseite von Visit Dalarna oder der Seite der Stadt Falun.

Dalarna die Knäckebrot-Hochburg

Es ist kein Geheimnis: gutes Brot hat in Schweden nicht dieselbe Tradition, wie z.B. in Deutschland oder der Schweiz. In Supermärkten bekommt man meist nur Baguette oder irgendwelche weiche, gummige Teigerzeugnisse. Hände weg davon. Such dir lieber eine Bäckerei oder einen Hofladen um gutes Brot zu kaufen.

Was die Schweden aber im Griff haben, ist Knäckebrot und ähnliche knackige Erzeugnisse. Am bekanntesten sind sicher die Produkte von Wasa. Die bekommt man auch ausserhalb von Schweden. Ich finde Wasa Knäckebrote jetzt nicht gerade der Brüller. Schon besser sind die Knäckebrote von Leksand. Die machen wirklich Gute von diesen Knackdingern. Knäckebrot von Leksand bekommen man in den Supermärkten und direkt im Fabriklanden in Leksand. Leksand findest du am untersten Zipfel des Siljan See unweit von Tällberg, unserer nächste Station. Wenn du keine Zeit hast, nach Schweden zu fahren, dann musst du nicht traurig sein. Du kannst die Produkte von Leksand im Onlineshop meines Partners onfos.de bestellen.

Und nun sind wir beim Höhepunkt angelangt. Wenn du sehen willst, wie man Knäckebrot nach traditionellem Rezept und im Holzofen herstellt, dann musst du einen Abstecher nach Stora Skedvi unternehmen. Hier findest du eine Markthalle mit integrierter Knäckebrot-Bäckerei. Mehr dazu in meinem unten Artikel. Und glaub mir, hinter diesem Unternehmen findest du eine unerwartete Geschichte.

Skedvi Bröd- Das beste Knäckebrot

Ich hoffe ich habe dir Lust auf Knäckebrot gemacht 😉

 

Tällberg die Perle am Siliansee

In Schweden gibt wahrlich viele kleine, herzige Orte mit alten Häuschen in roter Farbe und hübsch gepflegten Gärten. Schweden halt. So sollte es auch bei meiner nächsten Station in Dalarna sein. Ich hatte mich mit Hans Jenssen zur einer Ortsbesichtigung in Tällberg verabredet.

Hans Jenssen
Hans Jenssen ist der Kenner von Tällberg. (Foto: Andrea Ullius)

Wenn du nach Tällberg möchtest und von Süden her kommst, dann empfehle ich dir die Strasse 70 zu nehmen (du könntest auch über die 69 via Falun). Bei Leksand solltest du dann aber auf die recht kurvige Landtrasse wechseln. Das ist eine wirklich tolle Route und du wirst die Wahl der Qual haben, wo du einen Stopp einlegen willst. Auf der Fahrt nach Tällberg wirst du viele idyllische Bauernhöfe passieren und selbstverständlich begegnen dir massenhaft Schwedenhäuser. Wundere dich nicht, die Strasse führt den Hügel hinauf, was schon mal auf eine grandiose Aussicht schliessen lässt.

Auf der Webseite von Tällberg habe ich einen lustigen Spruch gelesen: “To visit Sweden and Dalarna without visiting Tallberg is like being at a wedding without seeing the bride.” Tatsächlich, so daneben ist dieser Spruch nicht.

Tällberg
Blick auf den Siljansee. (Foto: Andrea Ullius)

In Tällberg angekommen, treffe ich mich mit Hans Jenssen, und wir machen uns auf den Weg rund um das Dorf. Hans hat sich passend zum Dorf gekleidet. Wir verstehen uns auf Anhieb und ich merke, dass er Tällberg als eine Art eigenes Kind betrachtet. Hans engagiert sich auch sonst innerhalb des Dorfes mit viel Leidenschaft.

Das erste lustige Ding, das wir auf unserer kleinen Wanderung entdecken, ist eine Telefonkabine, die zu einem Minimuseum umfunktioniert wurde. Man muss sich etwas Zeit nehmen, um all die Details zu entdecken. Coole Sache.

Tällberg
Von der Telefonkabine zum Minimuseum. (Foto: Andrea Ullius)

Natürlich erzählt mir Hans auch ein wenig über die Geschichte von Tällberg. Bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts war Tällberg ein gewöhnliches Bauerndorf mit etwa dreissig Bauernhöfen mit verschiedenen Tieren. Mit dem Bau der Eisenbahn zu Beginn um 1900 begannen immer mehr Menschen dieses schöne Dorf zu erkunden, und so entwickelte sich der Tourismus schnell zum Haupteinkommen der Dorfbewohner. Grosse, private Häuser und Bauernhöfe wurden in Hotels und Pensionen verwandelt, ja sogar die alte Dorfschule in Tällberg musste daran glauben.

Tällberg
Eines der wunderschönen Häuser in Tällberg. (Foto: Andrea Ullius)

Heute bezeichnet man Tällberg oft auch als Hotelberg. In der Tat wimmelt es in förmlich von Hotels und Unterkünften. An jeder Ecke steht ein Wegweiser zu einem der Hotels. Und die Angebote sind meist absolut top und entsprechen hohem internationalem Standart. Alles in allem kannst du in Tällberg in 1000 Betten schlafen. Du hast also Auswahl. Über meine Unterkunft erzähle ich etwas weiter unten.

In Tällberg wohnen ca. 200 Einwohner fix und je nach Saison wächst diese Zahl dann auf 400 an. Wie du vermutest, bestehen alle Häuser in Tällberg aus Holz und sind meist rot. Hier wird die Tradition noch gelebt. Hans Jenssen erzählte mir, dass es diverse gemeinnützige Organisationen in Tällberg gibt, die sich um die Tradition und auch das Dorfbild kümmern. Die Tällbergs Hembygdsforening organisiert mit viel Liebe und Engagement die Midsommarfeiertage und auch andere Anlässe, wie die Walpurgisnacht. Die Midsommarfeiern in Tällberg sind weit über die Ortsgrenzen hinaus bekannt.

Tällberg
Ein Hof, wie im Bilderbuch. (Foto: Andrea Ullius)

Im Sommer besuchen viele Gäste aus dem In- und Ausland diesen malerischen Ort am Siljansee. „Die Hotels sind aber das ganze Jahr hindurch bestens gebucht“, erzählt mir Hans Jenssen. Er ergänzt: „Viele Firmen führen hier Tagungen und Konferenzen durch und im Winter nutzen viele Schweden die Gelegenheit, ein paar gemütliche und kuschlige Wintertage zu verbringen.“

Bei einem Bummel durch den Ort trifft man auf recht viele kleine Läden und Kaffees. Viele der Shops bieten Kunsthanwerk aus Glas oder Keramik an. Einen tollen Blumenladen habe ich auch entdeckt. Und dann kommen auch die Freunde des gemütlichen Kaffeeklatschs nicht zu kurz.

Tällberg
Der Blumen Laden mit dem gewissen Mehr und Extra. (Foto: Andrea Ullius)

Ich habe es schon erwähnt: die Aussicht in Tällberg ist grossartig. Man sieht weit über den Siljan. Und die Abendsonne ist kaum zu schlagen, sagt man. Leider war bei meinem Besich das Wetter etwas düster.

Damit es nicht vergessen geht. Tällberg hat auch eine Dorfteil, der unten am See liegt. Hier kannst du am Ufer entlang spazieren und siehst bestimmt eines dieser pitoresken Kirchenboote.

So und nun meiner Unterkunft in Tällberg. Ich bekam eine Übernachtung von Vist Dalarna und Åkerblads Gästgiveri Hotell und Spa offeriert.

Tällberg: Åkerblads Gästgiveri Hotell und Spa

Das schmerzhafte Abenteuer mit Sweden-Bonfire

Ok, ich übertreibe. So schmerzhaft war es nun auch wieder nicht. Aber es war spektakulär. Ich habe in Älvdalen das Geschwisterpaar Anja und Marco Endler besucht und mit ihnen ein tolles Abenteuer erlebt. Hier die ganze Geschichte.

Sweden-Bonfire: Wenn Geschwister Abenteuer machen

 


Das waren einige erste Eindrücke aus Dalarna. Ich habe noch ein paar weitere Artikel in der Pipeline. Die kommen demnächst zu euch 😉

  • Steiners Camping Lodge
  • Mora
  • Nils Olsson Dalahästar
  • Morakniv
  • Oras Rovdjurspark
  • Fryksas
  • Und noch mehr Dalarna …

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