Junköfiskarna: Eine Familie für die Fischerei

Hier entsteht Kalix Löjrom

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Heute geht es um Kalix Löjrom von Junköfiskarna. Früher lebten ganze Generationen an Schwedens Küsten von der Fischerei. Heute gibt es nur noch wenige Familien, die sich dem Fischfang verschrieben haben. Eine davon lebt auf der Insel Junkön vor den Toren Luleås. Ich habe sie besucht und viel über die Fischerei erfahren, aber auch wunderbare Menschen kennengelernt.

Junköfiskarna Kalix Löjrom
Der Morgen ist trist und sehr windig am Hafen von Lövskär. (Foto: Andrea Ullius)

Manchmal braucht man einfach Glück im Leben und trifft die richtigen Menschen. So war es auch im Sommer 2020. Auf meiner Erkundungstour rund um den Bottnischen Meerbusen wollte ich mehr über Löjrom erfahren. Löjrom ist im Prinzip Kaviar, aber sehr klein und orange. Er kommt von der Kleinen Maräne, auch Vendace gennant. Aber beginnen wir von vorne.

Pünktlich um 10 Uhr werde ich am Pier von Lövskär von Felicia Thurfjäll begrüsst. Die 23-jährige Frohnatur kommt direkt aus der Stadt, wo sie jeweils zwei Tage die Woche arbeitet. Wir warten auf ihren Vater Lars „Lasse“ Ökvist, der uns mit dem Boot abholt. „Lasse kommt etwas später. Es hat sehr grosse Wellen und so kann er nicht so schnell fahren“ lacht Felicia und wir unterhalten uns über Gott und die Welt.

Mit Junköfiskarna im Sturm

Dann kommt der Trawler in Sicht, legt an und wir hüpfen auf die Junkön Lå 17. Eine kurze Begrüssung und los geht die Fahrt ins Abenteuer. Das mit den grossen Wellen war in der Tat nicht übertrieben. In meiner Karriere auf See habe ich ganz bestimmt noch keinen solchen Sturm mit solchen Wellen erlebt. Klar, meine Karriere ist kurz, aber das war schon heftig. Die Gischt peitschte uns entgegen und immer wieder hob das Schiff ab, um dann krachend auf das Wasser zurück zu fallen. Für Felicia und Lasse war das natürlich ein laues Lüftchen, für mich aber ein richtiges Abenteuer.

Junköfiskarna Kalix Löjrom
Lasse manövriert uns durch Sturm und Wellen. (Foto: Andrea Ullius)

Nach etwa dreissig Minuten Kampf mit den Wellen, legen wir am Hafen von Junkön an. Bereits fest vertäut ist die Junkön Lå 19, das Schwesterschiff. Hier herrscht bereits emsiges Treiben. Ulrika und Pelle bereiten das Zerlegen des Tagesfanges vor. Ulrika ist die Mamma von Felicia und Pelle der Cousin von Lasse.

Fischer sind Frühaufsteher

Noch mitten in der Nacht sind Lasse und Pelle raus gefahren und haben nach Lachs gefischt. 85 Stück sind den beiden nebst Weissfisch und Zackenbarsch ins Netz gegangen. Unter den Lachsen hat es ein paar prächtige Exemplare. Die ganze Familie macht sich nun ans Zerlegen und Reinigen der Fische. Das erfordert eine gewisse Genauigkeit. Trotzdem kommt der Schwatz nicht zu kurz. Es wird gelacht und spekuliert. Es ist fast wie am Stammtisch im Wirtshaus. Ich bin ehrlich gesagt beeindruckt, wie schnell und zügig die ganze Familie hier am Werk ist. Man merkt, dass hier jahrelange Erfahrung dahintersteckt.

Junköfiskarna Kalix Löjrom
Nicht immer ist das Meer so ruhig und die Stimmung so romantisch. (Foto: Junköfiskarna)

Während der Arbeit erfahre ich viele spannende Dinge über den Lachs und Fischfang im Allgemeinen. Die Fischerei im Bottnischen Meerbusen und speziell hier im Bottenviken ist streng reglementiert, damit das Meer nicht überfischt wird. Es gibt Kontingente und definierte Zeiträume in denen die Netze ausgeworfen werden dürfen. „Wir müssen alle Fänge melden, bevor wir unseren Hafen anlaufen. Tun wir das nicht und werden kontrolliert, gibt es eine hohe Busse, und wir können die Lizenz verlieren“, sagt Felicia.

Junköfiskarna Kalix Löjrom
Dia ganze Familie ist bei der Präperation der Fische involviert. (Foto: Andrea Ullius)

Aktuell im Juli landen die grossen Lachse im Netz. Im Juni sind sie viel kleiner. Es sind aber die letzen Tage, in denen man Lachs mit dem Netzt fischen darf. Dann machen sich die Fische auf den Weg Fluss hinauf zu ihren Laichplätzen. Sie kämpfen sich den Torenälv hinauf. Hier warten weitere Fischer auf Holzbrücken mit Angel und Taschennetz auf die Lachse und Weissfische. Das ist ein Schauspiel, das man gesehen haben muss. Wenn du das erleben willst, dann geht das am besten beim Ressort Kukkolaforsen Turist & Konferens.

Junköfiskarna Kukkolaforsen
Auf solchen Holzbrücken wird auf dem Torneälv gefischt. (Foto: Andrea Ullius)
Junköfiskarna Lachs
Pelle portioniert den Lachs. (Foto: Andrea Ullius)

Junkön mit Museum und Windmühle

Nach dem die Fische zerlegt und teilweise fürs Räuchern portioniert sind, mache ich mit Lasse und Felicia einen Spaziergang. Zuerst besuchen wir das kleine Museum am Hafen. Hier erfährst du ein paar Dinge über die Insel und die Fischerei. Wenn du durstig bist, kannst am Kiosk einen Kaffee oder einen Snack kaufen. Auch die Serviceanlagen des Hafens findest du hier. Unterwegs treffen wir verschiedene Leute, zum Teil Einheimische, zum Teil Gäste. Sie erkundigen sich bei Lasse, ob sie Fisch kaufen können oder geben gleich eine Bestellung auf. Dank des Gästehafens ist im Sommer immer Betrieb an der Brücke.

Junköfiskarna Kalix Löjrom
Eine kleine Hafenübersicht. (Foto: botteviken.se)

Unser Rundgang geht weiter durch den Wald und plötzlich stehen wir auf einer Lichtung mit einer Windmühle. „Sie ist sehr alt und ich möchte sie komplett renovieren“, sagt Lasse. Die Windmühle wurde wahrscheinlich im 18. Jahrhundert gebaut. Man vermutet, dass sie von einem gestrandeten Finnischen Seemann oder Fischer erstellt wurde. Ganz genau weiss man es aber nicht. Was man aber mit Sicherheit weiss ist, dass Lasse sehr viel Zeit in die Restauration dieser Historie investiert. Da er auch Schreiner ist und über eine eigene Sägerei verfügt, schätzt er, dass er ungefähr drei Jahre benötigt, bis diese Hutmühle wieder in alter Pracht strahlt. Einmal mehr merke ich, dass man auf so einer Insel am besten zurecht kommt, wenn man viele Talente hat. Fischen und Sägen scheint mir eine sehr gute Kombination zu sein.

Junköfiskarna Kalix Löjrom
Noch muss viel Arbeit in die Restaurierung der Windmühle investiert werden. (Foto: Andrea Ullius)

Ein herrliches Mittagessen wartet bei Junköfiskarna

Unterdessen sind wir alle sehr hungrig geworden. „Es ist Zeit, dass wir etwas essen“, sagt Lasse. Ulrika hat im wunderbaren Haus aus dem Jahre 1787 schon den Tisch gedeckt. Ich muss mich jedoch zuerst in die Küche „vorkämpfen“, denn vier Hunde stürzen auf mich los und wollen gekrault werden. Jackie, Enzo, Millie und Torsten heissen die aufgeweckten Vierbeiner. Speziell Torsten ist kaum zu beruhigen und freut sich wie ein kleines Kind auf den Besuch. Zwar schimpfen Felicia und Ulrika mit den Hunden, aber das kümmert speziell Torsten nicht. Er kann sich kaum beruhigen, so dass ich meine Hundeflüster-Fähigkeiten auspacke und ihm tatsächlich etwas beruhigen kann. Vielleicht ist er aber jetzt auch einfach müde.

Junköfiskarna Kalix Löjrom
Eine klassische Variante Kalix Löjrom zu gemniessen (Foto: Andrea Ullius)

Was nun auf dem Tisch steht ist genau so, wie ich mir Nordschweden vorstelle. Es gibt Gravlax, kallrökt und warmrökt lax, natürlich vom eigenen Fang. Dann Elch, leicht geräuchert und etwas gesalzen. Es erinnert mich an das samische Souvas vom Rentier. Kartoffeln, Brot und Butter runden den Schmaus ab. Dann holt Felicia ein Glas mit eingelegten kleinen Fischen hervor. Sie hat die Siklöka verarbeitet, die beim gewinnen von Löjrom „anfallen“ und früher den Vögeln verfüttert wurden. Felicia möchte diese Spezialität etablieren und so den ganzen Fisch verwenden.

Junköfiskarna Kalix Löjrom
Statt Tunnbröd isst man hier Löjrom mit Raggmunk (Kartoffelpuffer). (Foto: Andrea Ullius)

Natürlich hat es noch eine weitere Spezialität auf dem Tisch. Deswegen bin ich ja auf die Insel gefahren. Ein ganzer Topf mit Kalix Löjrom steht da. Schön orange leuchtend und in einer Menge, die ich noch nie gesehen habe. Kalix Löjrom ist, wie schon oben erwählt Rogen von der Kleinen Maräne.

Vor 10 Jahren zeichnete die EU Junköfiskarna Kalix Löjrom mit der geschützten Ursprungsbezeichnung aus. Nur ein Produkt in einem bestimmten geografischen Gebiet mit einer für das Gebiet typischen Methode hergestellt, verarbeitet und zubereitet wird darf sich so nennen. Das ist wie beim Parmesan oder Champagner. Kalix Löjrom gilt als der Beste überhaupt und findet sich in vielen Delikatessengeschäften in Schweden. Auch in der Top-Gastronomie wird er gerne verwendet.

Junköfiskarna Kalix Löjrom
In diesen Dosen kannst du Kalix Lörjom kaufen. (Foto: Junköfiskarna)

Sagenhaft, wenn man einfach einen grossen Löffel dieses orangen Goldes auf ein Tunnbröd schaufeln und dann mit Sauerrahm und Zwiebelchen geniessen kann. Das ist für mich echter Luxus. Ein Top-Produkt direkt mit lieben Menschen am „Entstehungsort“ zu essen. Bis die Schüssel mit Löjrom voll war, mussten Lasse und seine ganze Familie hart arbeiten. Löjrom kann nur von Ende September bis Ende Oktober produziert werden. Je nach Quote, die man fischen darf, ist auch schon nach drei Wochen Feierabend. In dieser Zeit arbeitet die ganze Familie sieben Tage die Woche und mindestens 18 Stunden am Tag. Lasse hat mir die „Fabrik“ gezeigt. Hier herrscht dann „Fliessbandarbeit“ mit vielen Arbeitsschritten. Der Rogen muss aus dem Weibchen gepresst werden. Ein Fisch ist ungefähr 25 Gramm schwer und ergibt maximal 5 Gramm Löjrom. Anschliessend wird der Rogen vorsichtig gespült und gereinigt, danach getrocknet und leicht gesalzen. Von Hand wird der Löjrom in Dosen verpackt und eingefroren.

Junköfiskarna Kalix Löjrom
Die Fische werden gewaschen. (Foto: Junköfiskarna)
Junköfiskarna Kalix Löjrom
Auch der Rogen wird vorsichtig gesäubert. (Foto: Junköfiskarna)
Junköfiskarna Kalix Löjrom
Der Löjrom wird getrocknet und wenig gesalzen. (Foto: Junköfiskarna)

Nachdem ich die Produktionshalle gesehen und alle Infos von Lasse und Felicia erhalten habe, ist mir auch klar, weshalb so ein tolles Produkt seinen Preis hat. Dank Kalix Löjrom und der Fischerei kann die ganze Familie auf Junkön gut leben. Dazu arbeiten sie aber hart und das bei jedem Wetter und jeder Tageszeit. Besonders beeindruckt bin ich, dass Felicia den Betrieb einmal weiterführen möchte. Aktuell plant sie, die grosse Bootsprüfung zu machen. Wenn das soweit ist, dann will ich bei Sturm mit ihr auf den Bottenviken.

Wenn du Produkte von Junöfiskarna kaufen möchtest, dann kannst du das in Delikatessläden in ganz Schweden. Auch am Flughafen gibt es ein Shop mit Kalix Löjrom. Den fangfrischen Fisch kannst du im Sommer am Hafen in Luleå direkt ab dem Kutter erwerben. Mach vorher aber sicherheitshalber eine Bestellung per Mail, damit du ganz sicher dein Wunschprodukt bekommst. Auf der Webeseite von Junköfiskarna findest du auf der schwedischen Version ein Bestellformular.

Du kannst auf Junkön auch zwei Ferienhäuser mieten und dann die Abgeschiedenheit der Insel geniessen. Falls du das möchtest, musst aber frühzeitig reservieren. Mehr Infos zu den beiden Stugas bekommst du auf der Seite von Visit Luleå.

Und hier noch ein paar Impressionen von meinem Besuch bei Junköfiskarna. (Video: Andrea Ullius)
Junköfiskarna
 info@junkofiskarna.se

Felicia +46 70 241 20 24
Lars +46 70 325 80 11

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Autor des Artikels

Drogist HF, Autor und Blogger. Vom Norden begeistern, am Rest der Welt interessiert. Schreibt vorwiegend in und über Schweden, Skandinavien und die Schweiz. Nach 10 Jahren, Radio-, Fernseh- und Agenturerfahrung habe ich mich aufgemacht, alle Facetten des Reisebloggens und der Content-Produktion kennen zu lernen. Ich schreibe auf www.schwedenhapen.ch und www.ullala.ch.