Gotland: Das andere Schweden

Die Insel mit rauer Natur und Mittelaltercharme

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Wenn du Schweden kennst, heisst das nicht, dass du auch Gotland kennst. Ich behaupte sogar, dass Gotland die Antithese zur klassischen Vorstellung von Schweden ist. Hier auf der Insel ermöglichen die Landschaft und Natur dem Besucher ganz neue Eindrücke, und kulinarisch lässt die Insel sowieso nichts anbrennen. Ich habe Gotland zwei Mal besucht und dabei ins Herz geschlossen.

Gotland Leutturm
Leuchttürme findest du einige auf Gotland. (Foto: Andrea Ullius)

Ich bin mir bewusst, dass meine These vom „anderen Schweden“ etwas gewagt ist. Ich bleibe aber dabei. Gotland bietet so viele Kontrast zum Festland, dass ich jedes Mal staune, wenn ich auf der Insel ankomme. Während man an den Küsten Schwedens meist auf Granitfelsen trifft, dominiert auf Gotland der Kalkstein. Wenn die kargen Landstriche im Norden des Landes mit kleinen Birken übersäht sind, dann triffst du auf der Insel kleine verkrüppelte Nadelhölzer, die mehr an Sträucher erinnern, als an Bäume. Und dann dieser Mittelalter-Groove, der dich auf Schritt und Tritt begleitet. Aber beginnen wir doch mit der Anreise.

Mit der Fähre nach Gotland

Nach Gotland kommst du nur zu Wasser. In der Regel ist das die Fähre oder ein eigenes Boot. Klar, wenn du über das Wasser gehen kannst, dann funktioniert das auch, aber wundere dich dann nicht, wenn die Leute „ein Wunder, ein Wunder“ rufen. Die Fähren von Destination Gotland fahren ab Oskarshamn und Nynäshamn. Im Sommer fahren die Fähren etwas häufiger, als ausserhalb der Saison. In der Saison gibt es zusätzlich eine Verbindung ab Västervik. Ok, es gibt eine Alternative zum Wasser. Du kannst auch nach Gotland fliegen. Ob es schlau ist, steht an einer anderen Stelle. www.destinationgotland.se

Destination Gotland Fähre
Auf der Fähre nach Gotland. (Foto: Andrea Ullius)

Wenn du mit der Fähre in Visby einläufst und am Hafen anlegst, erwartet dich eine Stadt mit mächtigen Türmen und einer massiven Stadtmauer. Es ist, als ob die Zeit stehen geblieben ist. Irgendwie erinnert mich diese Stadt an Amalfi. Nicht wegen des mediterranen Flairs, sondern wie die Stadt über Klinten und Anhöhen klettert und von oben einen sagenhaften Blick übers mehr Meer gewährt. Dass es in Visby wirklich aufwärts geht, merkst du spätestens dann, wenn du vom Hafen „zügig“ rauf zur Österport marschierst. Da wird die Pumpe zünftig aktiviert.

Gotland Visby
Zeitzeugen aus dem Mittelalter in Visby. (Foto: Andrea Ullius)

Die Hansestadt Visby

In der Hansestadt Visby könnte ich mich stundenlang verweilen und durch die verschlugen Gassen auf der Suche nach mittelalterlichen Zeitzeugen wandeln. Steinruinen umrankt von Efeu, kopfsteinbepflasterte Gassen, schmucke Holzhäuschen mit Rosenstöcken vor der Türe, die Geschichte lauert an jeder Ecke. Visby ist wirklich einmalig. Seit 1995 gehört die Stadt zum UNESCO Welterbe. Es gibt nur wenige Hansestädte, die noch so gut erhalten sind. Hansestädte waren früher sehr reich, kein Wunder, musste das Hab und Gut durch Wälle, Mauern, Zugbrücken und Türme geschützt werden. Reiche hatten viel, Arme wenig bis gar nichts und so war die Plünderei im Mittelalter ein probates Mittel, um diesen Unterschied auszugleichen. Das war also so eine Art „Sozialismus“. Man nehme von den Reichen. 🙂

Innerhalb der Stadtmauer von Visby erwartet dich ein Labyrinth aus engen und verzweigten Gassen. Im Sommer blühen hier reichlich Blumen, speziell Rosensträucher. Du siehst in der Innenstadt prächtige Fachwerkbauten, noble Kaufmannswillen sowie Klöster und Kirchen. Visby ist ein bunter Mix aus Ruinen und bestens erhaltenen historischen Gebäuden. Manchmal habe ich das Gefühl, dass dieser Mix regelrecht ineinander „verwachsen“ ist. Wenn du mehr über die Geschichte von Visby erfahren möchtest dann empfehle ich dir den Eintrag auf Wikipedia. Er ist sehr umfassend und kompetent. https://de.wikipedia.org/wiki/Visby

Im Sommer ist Visby ein phänomenales Durcheinander von Einheimischen und Gästen, die sich die Stadt anschauen, in den schmucken Aussenrestaurants Kaffee trinken oder ihre täglichen Einkäufe erledigen. Ich habe dieses Pulsieren 2018 sehr genossen, als ich zum ersten Mal auf Gotland war. Zufälligerweise fand genau zu dieser Zeit die Medeltidsveckan (Mittelalterwoche) statt. 2020 besucht ich die Insel anfangs Oktober. Man würde meinen, dass das etwas gar spät ist, aber ich war total begeistert ab dem Farbenspiel der Natur und der Ruhe die mich überall umhüllte.

Gleich zu Beginn meines Besuches auf Gotland habe ich Inger Harlevi im Strand Hotel Visby* zum Mittagessen getroffen. Inger arbeite für Destination Gotland und betreut unter anderem die Medienschaffenden im deutschsprachigen Raum. Von ihr erfahre ich einige spannende Dinge über Gotland. „Das Ziel von Gotland ist, dass wir nie mehr als doppelt so viele Menschen auf der Insel haben wie Einwohner“, erklärt mir die umtriebige Schwedin. Bei einer Einwohnerzahl von knapp 60’000 Personen, trifft man folglich maximal 60’000 Touristen an. Eine klare und sinnvolle Regelung finde ich. Steuern kann man die „Belegung“ von Gotland mittels der zur Verfügung stehenden Betten und der Kapazitäten der Fähren. Nachdem mir Inger viele Tipps und Adressen für meinen Gotland-Aufenthalt empfohlen hat, streifte ich noch etwas durch die Stadt, bevor ich mich auf den Weg zum ersten Treffen machte. Falls du ein cooles Kaffee suchst, dann empfehle ich dir H10 Bar & Cafe

Die Bier-Limo-Wasser-Brauerei

Ich habe mich mit Jonny Warg, einem kreativen Unternehmer und Brauereibesitzer verabredet. Er sitzt zusammen mit seinem Geschäftspartner Niklas auf der Terrasse von Barlingbo Bryggeri und hat Mittagspause. Jonny erzählt mir vom Ursprung der Brauerei: „Eines Tages im Jahr 2013 sass ich mit Niklas in der Sauna und wir haben über unsere Hobbys gesprochen. Da stellten wir fest, dass wir beide unseres eigenes Bier brauen.“ Die beiden philosophierten über ihre Brauleidenschaft und kamen auf die Idee offizielle Bierbrauer zu werden. Die Barlingbo Bryggeri war geboren.

Gotland Brauerei
Brauerei und Restaurant an einem Ort. (Foto: Andrea Ullius)

Bis 2014 gab es auf Gotland nur eine einzige Brauerei, die Gotlands Bryggeri. Entsprechend war das Interesse enorm, als die Newcomer mit Barlingbo Bier auf den Markt kamen. „Wir hatten mal vorsorglich 6’000 Flaschen abgefüllt und zu ⇢ Systembolaget geliefert“, erinnert sich Jonny. „Wir dachten, dass das für ein paar Monate reichen sollte.“ Umso erstaunter waren die Neobrauer, als sich schon Stunden vor Ladenöffnung Schlangen vor dem Systembolaget bildeten. Innert eines Tages waren die 6’000 Flaschen ausverkauft, weitere 60’000 folgten in den nächsten sechs Monaten. Die Gotländer sehnten sich regelrecht nach einheimischen Bieren. Heute gibt es ungefähr 10 kleine Brauereien auf Gotland.

Gotland Bier
Eine Auswahl der Biere von Barlinbo Bryggeri (Foto: Andrea Ullius)

Unterdessen verlassen gegen eine Million Flaschen die Brauerei und die Anzahl Mitarbeiter ist von zwei auf aktuell neun angewachsen. Auch im Sortimentsbereich haben Jonny und Niklas zünftiges Wachstum an den Tag gelegt. 2018 hat Barlinbo Bryggeri begonnen Mineralwasser zu produzieren. „Mich hat immer gestört, dass die Fähren tonneweise Wasserflaschen auf die Insel transportiert haben. Besonders ökologisch fand ich das nicht“, erklärt Jonny. Und so bezieht er nun kleine PET-Rohlinge, bläst sie auf und füllt sie mit tollem Gotlandwasser. Auf diese Weise können bereits 400 Tonnen „Wassertransport“ eingespart werden. Die Flaschen werden immer dann abgefüllt, wenn auf Gotland Wasser im Überfluss vorhanden ist. Im Hochsommer, wenn die Wasserpegel tief sind, wird natürlich kein Wasser abgefüllt. Nebst „normalem“ Wasser stellt Jonny und seine Crew auch Limonaden und Cider her. Speziell die Limos finde ich sehr erfrischend und lecker.

Leckere Limonaden mit Gotland-Wasser. (Foto: Andrea Ullius)

Natürlich spreche ich mit Jonny Warg auch über Gastronomie, schliesslich betreibt er mehrere Restaurants. Wenn du mit offenem Visier durch Visby schlenderst, stellst du fest dass fast an jeder Ecke auch ein Restaurant oder ein Kaffee lauert. „Visby hat wahrscheinlich die höchste Restaurantdichte in ganz Schweden“, vermutet Jonny.

Sehr schöne Kombination von Lamm, Kartoffeln und Schalotten. (Foto: Andrea Ullius)

Nun gesellt sich Mateusz Jagielski zu uns. Er ist Küchenchef des Brauereirestaurant Bryggeriet Mat & Malt. Innert zweier Jahre hat er das Lokal zu einer sehr guten Adresse in Visby „gekocht“. Mateusz fokussiert sich auf lokale und saisonale Produkte und kocht sehr kreativ. Gemüse wächst bei Mateusz im eigenen Garten und die Speisen sind passend zu den diversen Bieren abgestimmt. Der Küchenchef versucht seine Gäste auch mit überraschenden Aromen und Gerichte zu überraschen und begeistern. Uns so lasse ich es mir natürlich nicht nehmen, die spannende Führung in der Brauerei mit einem erstklassigen Nachtessen im Bryggeriet Mat & Malt zu beschliessen.

Barlingbo Bryggeri AB + Bryggeriet Mat & Malt
Artillerigatan 9, SWE-621 38 Visby
 www.barlingbobryggeri.se 
 www.bryggerietvisby.se

Eindrückliche Natur und prägende Bauten

Es ist jedes Mal dasselbe. Wenn ich auf Gotland bin, denke ich: „Das ist so gar nicht Schweden“. Kaum eine Region auf dem Festland hat eine derart wechselhafte Natur zu bieten. Schlendert man durch einen herrlichen Eichen- oder Mischwald, so findet man sich plötzlich auf einem kargen Tundra ähnlichen Landstrich wieder. Besonders angetan bin ich jeweils von den kleinen verkrüppelten Nadelbäumchen, die an Wacholder erinnern. Im Frühjahr und Sommer trifft man auf herrliche Blumenwiesen und ein paar Meter weiter auf Kalksteinwüsten, wo nur Flechten und Moose oder vereinzelte Gräser gedeihen.

Natur auf Gotland
Teilweise ist die Vegetation auf Gotland sehr karg. (Foto: Andrea Ullius)

Die Behausungen auf Gotland sind spannend und prägen das Aussehen der Insel. Die Gebäude sind aus Stein, zum Teil aus Holz, verwittert oder mit roter Farbe konserviert. Man spürt das Mittelalter nicht nur in der Stadt, sondern auch auf dem Land. Mir fällt auf, dass immer wieder verlassene Bauernhöfe oder Häuser zu sehen sind. Diese Hidden Places erzählen viel vom vergangenen Gotland und belegen, dass wie überall in Europa eine gewissen Landflucht nicht von der Hand zu weisen ist.

Windmühle Gotland
Diese Windmühle habe ich auf Fårö entdeckt. (Foto: Andrea Ullius)

Auf Gotland findest du auch eine Vielzahl von Windmühlen. Diese Holländer-, Ständer-, Bock- und Kappenwindmühlen waren ein sehr wichtiger Teil der Lebensweise der gotländischen Bauern. Während es bis vor fünfzig Jahren noch Hunderte solcher Mühlen gab, ist die Zahl heute deutlich kleiner und nur noch wenige sind in Betrieb. Wenn du aber so eine Mühle sichtest, dann kannst du dich auf ein tolles Fotomotiv freuen.

Leuchtturm Gotland
Der Leuchtturm bei När. (Foto: Andrea Ullius)

Nicht minder imposant sind Leuchttürme. Gotland hat 10 davon. Sie weisen den Schiffen und Booten den Weg Richtung Insel oder um die Insel herum. Manch einen Kapitän mit Crew haben diese Lichter vor einer Havarie bewahrt. Währen anfänglich die Leuchtfeuer durch die Leuchttrurmwärter entzündet wurden, erfolgt das heute elektrisch und automatisch. Schön sind alle diese Türme anzuschauen. Hier kurz die Namen dieser Leuchttürme:

 Fårö  Faludden  Gotska Sandön  Hallsuk  Heligholmen 
 Hoburg  När  Stenkyrkehuk  Stora Karlsö  Östergarn
Leuchtturm Gotland Fårö
Der Leutturm von Fårö. (Foto: Andrea Ullius)

Wandern und Biken a Diskretion

Diese unglaubliche Natur-Abwechslung erlebt man am besten zu Fuss oder mit dem Fahrrad. Erst wenn du dich wirklich auf die Raukenfelder, die Wiesen, die Wälder und Vogelgebiete einlässt, lernst du das ungeschminkte Gotland kennen. Du kannst die Schönheiten Gotlands problemlos auf eigene Faust erkunden. Im Tourist Office bekommst du übersichtliche Karten und Wanderführer (auf Schwedisch).

Gotland Wandern
Schöne und abwechslungsreiche Wanderwege auf Gotöand. (Foto: Andrea Ullius)

Wenn du auf dich persönlich zugeschnittene Touren suchst, dann kann ich dir das auf Outdoor-Abenteuer spezialisierte Unternehmen Life Outdoor AB empfehlen. Ich habe mich in Visby mit Mårten Brites getroffen. Er ist einer der Outdoorprofis auf Gotland. „Wir möchten unseren Gästen den grösstmöglichen Service rund um das Thema Wandern und Fahrradfahren bieten“, sagt Mårten. „Dazu stellen wir detaillierte Karten mit allen Infos zur Verfügung und planen den Aufenthalt auf Gotland zusammen mit den Gästen.

Gotland wandern
Beim Wandern entdeckt man immer neue und tolle Orte. (Foto: Andrea Ullius)

Das Unternehmen Life Outdoor AB ist interessanterweise aus einer Not heraus entstanden. Ursprünglich organisierten Mårten und seine Kollegen unter dem Dach der Firma Hansa Event Veranstaltungen und Events für Gruppen und Firmen. Da dieses Business wegen Corona praktisch auf Null eingebrochen ist, verschob das Unternehmen den Fokus auf den Individualtourismus. Der Erfolg gibt Mårten und seinen Kollegen recht.

Das Gute an Gotland ist die flache Topografie. Du kannst also mehr oder weniger überall sicher und mit überschaubarer Anstrengung radfahren und wandern. Eine meiner Lieblingswanderungen ist der Weg auf Fårö vom Raukenfeld Langhammar via dem Fischerdorf Helgumannen bis zu Lauters hamn und zurück. Ein Weg ist ca. 10 Kilometer lang und dauert zwei Stunden. Total bist du mit Pausen also etwa 5 Stunden unterwegs. Wenn dir das zu weit ist. dann mach beim Fischerdorf Helgumannen eine Rast und begib dich anschliessend auf den Rückweg. Leider ist das mit dem Öffentlichen Verkehr auf Fårö etwas suboptimal, so dass du immer auch den Weg zurück zum Ausgangspunkt deiner Wanderung berücksichtigen musst.

An dieser Stelle noch ein Wort zu diesen Fischerdörfer. Sie sind historische Kulturschätze und Zeugen einer Zeit, in der die Fischerei unverzichtbar zum Überleben war. Heute sind sie unglaublich schöne Orte zur Erholung. Mir hat es speziell das oben erwähnte Dorf Helgumannen angetan. Ich könnte hier stundenlang sitzen und einfach aufs Meer hinausschauen. Entlang der Küste Gotlands findest du eine Vielzahl dieser wunderbaren Orte.

Ein viel kürzerer und komplett anderer Ausflug hat mich zur Rauke Jungfrun geführt. Beim Fischerdorf Lickershamn ist der Parklplatz und dann spazierst du durch den Kiefernwald, vorbei an weiteren Rauken zur Jungfau. Das dauert vielleicht 15 Minuten und ist sehr entspannt. Zurück in Lickershamn empfehle ich dir, bei der kleinen Fischräucherei etwas „aus dem Wasser“ für die Zwischenverpflegung zu kaufen. Sehr lecker.

Wenn man über Gotland spricht, dann hat man sofort die Kalksteinsäulen, auf Schwedisch Raukar, im Kopf. Es ist sagenhaft, wie hier die Erosion von Wetter und Meer solche pittoresken Kunstwerke erschaffen hat. Die Rauken stehen vielfach in Formationen, hin und wieder findet man sie auch „alleinstehend“. Ich habe euch in der folgenden Galerie ein paar „meiner“ Rauken zusammengestellt.

Crêpes die Inselspeise auf Gotland?

Nach so viel Bewegung ist es an der Zeit, dass ich dir die kulinarischen Schätze von Gotland näher bringe. Und da starte ich doch direkt mit etwas Überraschendem. Mir ist nämlich aufgefallen: die Gotländer können „Crêpes“. Ich habe tatsächlich während meiner Gotland Woche drei Mal Crêpes gegessen. Und die waren vom Feinsten.

Gotland Crêperie
Ein legendärer Ort auf Fårö. (Foto: Andrea Ullius)

Begonnen hat der Schmaus auf Fårö bei der Crêperie Tati. Der Ort ist legendär und seltsam in einem. Er ist eine Hommage und Liebeserklärung von Besitzer Thomas Lindholm an die 50er Jahre, an Elvis und James Dean. In der stillgelegten Tankstelle (Kutens Bensin) findest du einen Autofriedhof mit Oldtimern, diverser „Antikgerümpel“ und weitere Kuriositäten. Der Innenhof ist mit alten Strassen- und Leuchtreklamen sowie vielen verchromten Autoteilen dekoriert. Wenn du jetzt denkst, dass all die Fundstücke Richtung Messie-Syndrom tendieren, dann irrst du gewaltig. Die „Exponat“ sind mit viel Liebe und einem Auge fürs Detail platziert worden. Nimm dir also ruhig etwas Zeit, um auf dem Gelände etwas herumzustöbern, bevor du zur Stärkung in die Gaststube trittst.

Gotland Crêperie
Eines der Ausstellungsstücke. (Foto: Andrea Ullius)

Die Crêperie ist ebenfalls mit vielen Ausstellungsstücken drapiert. Die Crew ist sehr freundlich, unkompliziert und ziemlich schnell. Zum Essen gibt es Galetten und Crêpes vom Feinsten. Lokale Zutaten, zum Beispiel Schafkäse, werden auch deinen Gaumen begeistern. Crêperie Tati ist nicht Fastfood. Es kann durchaus seine Zeit dauern, bis du deine frische Leckerei bekommst, denn der Andrang ist speziell in der warmen Jahreszeit enorm. In der Wartezeit kannst du weiter auf dem Hof stöbern oder den Schafen auf der Wiese zuschauen. Es hat draussen genügend Sitzplätze, damit auch Gruppen einen Platz finden. Die Crêperie Tati ist unter anderem bei Radfahrern sehr beliebt, da sie an der beliebten Rundstrecke auf Fårö liegt.

Gotland Crêperie
Die 50er Jahre leben hier auf. (Foto: Andrea Ullius)
Crêperie Tati
Fårö Broskogs 1156, SWE-624 66 Fårö
https://www.gotland.net/sv/creperie-tati-pa-kutens-bensin

Die zweite Crêperie, die ich entdeckte, befindet sich bei der Kirche von Stenkyrka und nennt sich Ett litet crêperie. Ich war an einem Sonntag da und stellte fest, dass dieser schmucke Ort bei Familien sehr beliebt ist. Vor einem alten Stall stehen zwei Food Trucks und die Umgebung ist mit netten Tischchen und Sitzgelegenheiten „ausgarniert“. Kinder können rumtollen und im Sommer finden sich genügend Schattenplätze. Auch hier sind die leckeren Galetten und Crêpes absolut empfehlenswert.

Gotland Crêperie
Sehr lecker diese Crêpes. (Foto: Andrea Ullius)
Ett litet crêperie
Stenkyrka Stenstugu 434, SWE-624 42 Tingstäde
https://ettlitetcreperie.se

Gar in den Gastroführer White Guide hat es Crêperie & Logi in Visby gebracht. Auch hier gibt es tadellose Galetten und Crêpes, dieses Mal in alten und historischen Gemäuern. Ich muss es zugeben, in der Schweiz esse ich sehr selten Crêpes. Keine Ahnung weshalb, aber auf Gotland bin ich richtig auf den Geschmack gekommen.

Überhaupt hat es in Visby eine ganze Reihe von herausragenden Restaurants. Begonnen bei Tuppens Krog, über das Surfers Visby bis zum Värdshuset Lindgården ist für jeden Geschmack etwas dabei. Nachfolgend habe ich dir noch ein paar meiner Tipps für deinen kulinarischen Besuch in Gotland zusammengestellt.

Gotland Restaurant
In Visby findest du viele gute Restaurants
Bakfickan, Visby  www.bakfickanvisby.se
Gåsemora Gårdskrog, Fårö www.gasemora.se/gardskrog
Lilla Bjers Gårdskrog, Visby www.lillabjers.se
Smakrike Krog & Logi, Ljugarn www.smakrike.se

Salthamn eine Oase der Kulinarik und Entspannung

Einen gar magischen Ort, nicht nur in Bezug auf Essen, habe ich nördlich von Visby entdeckt. Er nennt sich Salthamn und ist wie ein Märchenschloss an einem versteckten Ort gelegen. Zwischen knorrigen Nadelhölzern, direkt am glitzernden Meer gelegen aber auch von Wiesen gesäumt, verkörpert dieser Wohlfühlort alles, was Gotland ausmacht. Die Gastronomin Jacqueline Raymond hat Salthamn aus dem Dornröschenschlaf erweckt und sprüht nur so vor innovativen Ideen.

Salthamn Gotland
Herzstück von Salthamn ist die Fabrik. (Foto: Andrea Ullius)

Ich habe mich mit Sophie Jansen verabredet. Sie ist bei Salthamn die rechte Hand von Jaqueline und plant die unzähligen Events und Aktivitäten. Zusammen mit ihr mache ich mich auf eine Salthamn Erkundungstour. Wir beginnen bei der markanten „Fabrik“. Hier gibt es eine Keramikmanufaktur, eine Boutique, diverse Eventräume, eigentlich alles, was es für Kultur und Kulinarik braucht. Im Sommer finden hier regelmässig Parties statt, und am Mittag gibt es Leckeres vom Foodtruck.

Gotland Salthamn
Sophie kümmert sich auch um die beiden Glücksbringer von Salthamn. (Foto: Andrea Ullius)

Ich wurde schon oft zu Hochzeiten oder „runden Geburtstagen“ eingeladen, aber hier in der Fabrik diese Feiern abzuhalten ist wohl das Grösste, was man sich wünschen kann. Auch für Firmenevents, Kurse oder Workshops ist der Ort bestens geeignet. Sehr cool sind auch die diversen kulinarischen Events von Barbecue-Abend, über Weindegustationen bis zu Kochkursen.

Satlhamn Gotland
Verschiedene Locations warten auf die Gäste. (Foto: Andrea Ullius)

Nebst der Fabrik gibt es ganz unterschiedliche Übernachtungsmöglichkeiten. Die luxuriöseste ist zweifellos die Villa Salthamn. Du kannst die ganze Villa für dich und deine Begleiter buchen und in einer tollen Umgebung logieren. Weiter gibt es eine Bauernhofvilla, das Strandhaus oder das Gartenhaus. Alle Unterkünfte sind verschieden gross und können online gebucht werden.

Salthamn Gotland
Viel Abwechslung findest du bei Salthamn. (Foto: Andrea Ullius)

Eigentlich bin ich auf Salthamn durch ein von Visit Sweden initiiertes Projekt aufmerksam geworden. Es nennt sich The Edible Country (das essbare Land) und will Gäste an die schönsten Orten in Schweden führen, um in freier Natur zu kochen und zu essen. Dazu wurden im ganzen Land Tische aufgestellt und die Gäste können sich die Zutaten für ihr Essen in der Umgebung nach Anleitung selber suchen. Anschliessend wird das von Spitzenköchen kreierte Menü gekocht und am langen Tisch genossen. Einer dieser Tische steht in Salthamn und erfreut sich grosser Beliebtheit.

Salthamn Gotland
Ein wunderbar gedeckter Tisch. (Foto: salthamn.se)

Zusammen mit Sophie Jansen fahre ich bis zum Feld, wo das Gemüse von Salthamn angebaut wird. Hier treffen wir Simon Boman der für den Gemüsegarten zuständig ist. Auch jetzt im Oktober wächst hier eine Vielzahl von Grünzeug. Von Karotten über Zucchini bis zu Kürbis gedeiht alles, was einen herbstlichen Gemüsekorb ausmacht. Genau hier steht auch der erwähnte lange Tisch von „The Edible Country“. Sophie ist für die ausgeklügelten Rezepte zuständig, die dann hier vor Ort gekocht werden.

Auch im Herbst gibt es noch eine herrliche Blumenpracht. (Foto: Andrea Ullius)
Salthamn
Väskinde Salthamn, SWE-622 75 Visby
www.salthamn.se

Ein Hoch auf den Trüffel

Gotland erstaunt mich immer wieder. Nachdem ich eine kleine Fahrradtour in den Süden zu den Rauken von Hoburgsgubben unter die Räder nahm, treffe ich mich mit Yvonne Höglund zu einer Trüffelsafari. Ja du liest richtig. Auf Gotland gibt es das „schwarze Gold“. Bei der Kirche von Etelhem hat sich schon eine kleine Gruppe eingefunden, die sich auch auf die Trüffeljagd machen will. Drei Hunde haben wir dabei, das heisst, wir teilen uns in drei Gruppen und marschieren in den Wald.

Gotland Trüffel
Los geht es mir der Trüffelsuche. (Foto: Andrea Ullius)

Viele Menschen haben das Gefühl, dass nur die klassische Rasse Lagotto Romagnolo für die Trüffelsuche funktioniert. Wir haben aber noch einen Golden Retriever und einen Australian Shepherd dabei und ich sage euch, die waren alle drei sehr gut im Aufspüren der Trüffel. Im Prinzip braucht es einfache einen Hund mit sehr gutem Geruchs- und Spürsinn. Den Rest kann man trainieren. Solche Trüffelkurse für Hunde bietet Yvonne ebenfalls an.

Dass hier bei der Kirche von Etelhem Trüffel zu finden sind, ist kein Zufall. Hier hast du eine Mischung aus Eichenwald und Haselstauden kombiniert mit perfekten Waldwiesen. Der kalkhaltige und leicht basische Boden ist der ideale Nährboden damit die Trüffel perfekt wachsen.

Gotland Trüffel
Trüffel muss man zuerst ausgraben, wenn der Hund markiert hat. (Foto: Andrea Ullius)

Yvonne und ihr Mann bieten ab Oktober Trüffelsafaris an. Saisonhöhepunkt ist jeweils Mitte Oktober bis Mitte November. Dann sind die Trüffel perfekt. In dieser Zeit findet auf Gotland auch das Trüffelfestival statt. Ausgewählt Restaurants, wie etwa das Smakrike, bieten spezielle Trüffelmenüs an. Wer auch an einer Trüffelsafari dabei sein möchte, kann sich bei Yvonne anmelden. Wichtig zu wissen ist, dass Trüffel nicht unter das Jedermansrecht fallen. Die Beute gehört jeweils dem Landbesitzer.

Gotland Truffle Festival
 www.gotlandstryffelfestival.se
 www.tassit.se

Klar, die Trüffelsaison ist nun nicht gerade in der Hauptreisezeit, aber ich kann dir aus eigener Erfahrung bestätigen, dass ein Besuch auf Gotland auch im Oktober sehr viel Freude macht. Das Wetter auf der Insel ist bis Mitte Oktober sehr stabil und du hast in dieser Zeit viele Plätze für dich fast alleine.

Die Hofläden haben den Geschmack Gotlands

Wenn ich reise, dann spielen Restaurantbesuche eine grosse Rolle. Mindestens so wichtig ist für mich aber auch, das Aufspüren von richtig guten Produzenten von Lebensmitteln. Das kann Gemüse, Fleisch, Fisch, aber auch Zubereitungen aus den Ingredienzien der Region sein. Meistens kaufe ich mich dann durch das Sortiment und versuche mich in der Kreation von eigenen Gerichten in meinem Wohnmobil oder Outdoor am Grill oder Feuer. Wenn ich aus Schweden zurück in die Schweiz fahre, ist mein Kühlschrank und mein kleines Gefrierfach im Wagen voll mit leckeren Dingen von meinen Reisen.

Viele der tollen Lebensmittel finde ich oft in Hofläden, die ein breites Spektrum an Produkten anbieten. Auf Gotland muss man nur die Augen etwas offen halten und schon findet man die Hinweisschilder zu den Verkaufsstellen. Sehr beliebt ist auf der Insel Lammfleisch und Lammfell von den speziellen Gotland-Schafen. Dass man auf einer Insel in der Ostsee auch alles, was aus dem Wasser kommt schnabuliert, versteht sich von selbst. Tolle Fisch habe ich zum Beispiel in der Sysne Fiskbutik in Katthammarsvik gekauft und auch vor Ort gegessen. Sten und Monica Nordin betreiben die Fischräucherei mit viel Engagement. Du kannst hier auch zwei kleine Stugas für deinen Aufenthalt mieten.

Gotland Fischladen
Sysne Fislbutik ist eine sehr gut Adresse für frischen Fisch. (Foto: Andrea Ullius)

Das Angebot auf Gotland ist saisonal sehr abwechslungsreich. Im Frühling gibt es Spargel, Bärlauch und Kajü (Schlangenlauch), im Sommer und Herbst kannst du vom reichhaltigen Angebot an Obst, Beeren und Wurzelgemüse naschen. Ein sehr schöner Hofladen ist Stora Tollby Trädgård. Der Hof ist auf die Produktion von Kartoffeln spezialisiert, hat aber aber auch eine Vielzahl von anderem Gemüse im Sortiment. Das Gemüse kommt teilweise von befreundeten Bauernhöfen.

Gotland Hofladen
Grosse Auswahl im Hofladen. (Foto: Andrea Ullius)

Vom Bier haben wir es schon gehabt, aber stell dir vor, auf Gotland gibt es auch Wein von Gutevin oder Whisky von Gotland Whisky. Als Gin-Fan habe ich mich speziell über Gotland Spirits und Hellström Gin gefreut, als ich mich im Systembolaget nach Hochprozentigem umgeschaut habe.

Gotland Gin
Zwei Gins aus Gotland. (Foto: Andrea Ullius)

Zu guter Letzt möchte ich dir noch Aminne Honung & Jästeri empfehlen. Die Familie Björk produziert verschiedene Honige und weitere Produkte aus dem Bienenprodukt. Den kleinen Hofladen findest du in Slite. Damit du dann nicht vor verschlossenen Türen stehst, empfehle ich dir die App Öppet Gotland. Hier siehst du auf der Karte sofort, welche Restaurants, Hofläden und Shops auf der Insel geöffnet haben. Super praktisch und äusserst zuverlässig.

Gotland Honig
Biologischer Honig aus Gotland. (Foto: Andrea Ullius)

Auf der folgenden Google Karte habe ich dir eine kleine Übersicht zu meinen Lieblingsorten auf Gotland zusammengestellt. Sie ist keineswegs vollständig, aber du sollst ja auch noch etwas „Recherche“ in deinen Gotland-Besuch investieren ;-).

Schlafen auf Gotland

Auf Gotland findest du Übernachtungsmöglichkeiten für jedes Budget. Hotels, Pensionen, Campingplätze hat es in Hülle und Fülle. In der Hochsaison macht es Sinn eine Reservation vorzunehmen. Ausserhalb der Saison hat es aber immer in Plätzchen frei für dich. Nachfolgend ein paar Tipps für dich.

Best Western Strand Hotel, Visby ⇢ www.strandhotel.se
Strandakar Hotell & Restaurang, Stånga ⇢ www.strandakar.se
Fröjel Resort, Klintehamn ⇢ www.fröjel-resort.se
Hotell Villa Borgen, Visby ⇢ www.hotelvillaborgen.com
Sundersand Ressort, Fårö ⇢ www.sudersand.se
Visby Strandby, Visby ⇢ www.visbystrandby.se
Snäck Camping, Visby ⇢ www.snackcamping.se
Tofta Camping AB, Tofta ⇢ www.toftacamping.se
Björkhaga Strandby, Klintehamn ⇢ www.bjorkhagastrandby.se
Ljugarn Semesterby & Camping, Ljungarn ⇢ www.semesterby.se

Infos und Links

Gotlands Turistbyrå
Donners plats 1, SWE-621 57 Visby
www.gotland.com

Destination Gotland
Korsgatan 2, SWE-621 57 Visby
www.destinationgotland.se


Gotlands Cykeluthyrning (Fahrradvermietung und Touren)
Skeppsbron 2, SWE-621 57 Visby
www.gotlandscykeluthyrning.com

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Autor des Artikels

Drogist HF, Autor und Blogger. Vom Norden begeistern, am Rest der Welt interessiert. Schreibt vorwiegend in und über Schweden, Skandinavien und die Schweiz. Nach 10 Jahren, Radio-, Fernseh- und Agenturerfahrung habe ich mich aufgemacht, alle Facetten des Reisebloggens und der Content-Produktion kennen zu lernen. Ich schreibe auf www.schwedenhapen.ch und www.ullala.ch.