Das ganze Gebiet rund um die Schären vor Stockholm ist traumhaft. Inselchen reiht sich an Inselchen und Häuschen an Häuschen. Nachdem ich zu Beginn meiner Schwedenreise 2016 die Westküste von Göteborg aufwärts lieben gelernt habe, wollte ich auch die Ostküste besser kennen lernen. Marholmen, Vaxholm, Utö und Trosa waren meine Stationen.

Was für eine Stimmung auf der Insel Utö
Was für eine Stimmung auf der Insel Utö

Wer normalerweise die Schären vor Stockholm besucht, reist in die Hauptstadt und geht von dort aus auf Erkundungstour. Das macht durchaus Sinn, da von hier aus die meisten Bootsverbindungen in den Schärengarten abgehen. Da ich jedoch von Åmot anreiste, liess ich Stockholm für einmal links liegen. Ich beschloss „nur“ die Schären zu besuchen. Die Idee war gut, doch welche Destinationen wählt man da aus? In drei Tagen kann man höchstens einen Bruchteil der Schären vor Stockholm besuchen. Ich habe mich dann entschieden und hier sind meine Erlebnisse.

Marholmen zur Entspannung

Ich hatte bis jetzt immer Glück mit dem Wetter in Schweden. Wenn es regnete, hatte ich meist grössere Transfers vor mir. Das war auch dieses Mal nicht anders. Nach drei tollen Tagen in Åmot im Stilleben war meine Stimmung etwa so, wie das Wetter. Ziemlich betrübt. Es hat mir in Åmot derart gut gefallen. dass ich lieber noch bleiben wollte. Doch die Schären vor Stockholm wollten mich begrüssen, also sagte ich Åmot Adiö.

Åmot: Still leben im Stilleben

Meine Stimmung hellte sich dann auf, als ich mein Tagesziel Marholmen erreichte. Marholmen gehört zu Norrtälje und ist eigentlich kein Ort, sondern ein Ressort mit Hotel, Hafen, Restaurant usw. So hat es jedenfalls auf mich gewirkt. Die ganze Region nennt sich Roslagen und erstreckt sich an der Ostküste von Stockholm aus ca. 120 Kilometer Richtung Norden. Roslagen umfasst eine grossen Teil der Schären vor Stockholm. Unweit von Marholmen ist Kapellsär. Von hier aus fahren die Fähren nach Finland und nach Åland.

Åland: Skandinavien im Kleinformat

Wie gesagt herrschte Freude, als ich in Marholmen eintraf. Im Hotel durfte ich ein tolles Zimmer mit coolem Design und bestem Komfort beziehen. Das entschädigte schon mal für die Reisestrapazen. Das Essen im etwa 150 Meter neben dem Hotel gelegenen Restaurant war vorzüglich. Da das Wetter schlecht und ein weiters Rahmenprogramm nicht vorgesehen war, beschloss ich den Schalter für diesen Tag auf „off“ zu drehen.

Gestärkt am tollen Frühstücksbuffet konnten dann weitere Taten folgen. Die Region
Roslagen war bei mir bis jetzt immer etwas unter dem Radar durch. Nur gerade Vaxholm war mir geläufig. In der Tat muss ich festhalten, dass alleine diese Region gut und gerne eine Woche Stoff für coole Ferien hergibt. Vorerst musste sich aber Vaxholm mit meinem Besuch begnügen.

Husmor Lisa ein kulinarischer Geheimtipp

Zuerst hatte ich mich mit Lisa Lönner Pulkkinen verabredet. Sie betreibt das Gasthaus
Husmor Lisa in Resarö, nur wenige Minuten von Vaxholm entfernt. Lisa sah ziemlich übernächtigt und abgekämpft aus und entschuldigte sich auch sogleich: „Wir hatten gestern eine grosse Gesellschaft hier an einer Feier und ich bin wirklich spät ins Bett. Ich sehe grässlich aus.“ Ich sagte ihr, dass ich über das Restaurant schreiben wolle und nicht über allfällige Beauty-Tipps. Das Aussehen spiele folglich keine Rolle, und sie solle sich mal mich anschauen. Das Eis war gebrochen.

Lisa betreibt ihr Restaurant nun seit fünf Jahren und kann sich über mangelnden Erfolg wahrlich nicht beklagen. Ihre gute Küche und das Ambiente wurden unlängst auch durch den Gastroführer „White Guide“ gewürdigt. Lisa Lönner ist eine Quereinsteigerin und hat über 25 Jahre im PR-Business in Göteborg gearbeitet. Im kulinarischen Bereich hatte sie sich mit ihrem Blog rund um die Wahl des „Chef of the Year“ (bei uns wäre das der Koch des Jahres) einen Namen gemacht. Als dann die Idee von einem eigenen Restaurant Konturen annahm, nutzte sie die Gelegenheit und kaufte das Haus direkt am Wasser mit viel Umschwung.

Im Sommer ausgebucht

Nach vielen Investitionen und auch Streitereien mit den Behörden betreffend Vorschriften von Küchen und Restaurants, konnten Husmor Lisa eröffnet werden. Seither brummt der Laden und speziell im Sommer ist oft kein Tisch zu finden. Der Speiseraum ist sehr verspielt und liebevoll eingerichtet. Lisas Mutter hat ein Flair für Dekorationen und gestaltet die Räume und die Umgebung sehr kreativ.

Lisa legt viel Wert auf hochwertiges Essen und sagt ziemlich bestimmt: „Ich bin nur an Gästen interessiert, die gesundes und ausgewogenes Essen aus der Region mögen und auch bereit sind, einen fairen Preis dafür zu bezahlen. Strandrestaurants, die Hamburger in Massenproduktion „rauslassen“ gibt es genug. Das ist nicht mein Ding.“ Sagt’s und gibt mir eine selber gemachte Konfitüre mit auf den Weg.

Vaxholm der Dreh- und Angelpunkt in den Schären vor Stockholm

Womit wir bei meiner nächsten Station wären. Wer sich in den Schären vor Stockholm tummeln will, kommt an Vaxholm nicht vorbei. Die Stadt ist eine Art Hub, wenn man raus auf die verschiedenen Inseln will. Entsprechend ist Vaxholm auch bei Einheimischen und Touristen sehr beliebt. Zurecht, dann es gibt ein vielfältiges Angebot in allen Bereichen. Über Vaxholm habe ich bereits ausführlicher geschrieben. Hier ist der Artikel:

Vaxholm: Drehscheibe im Schärengarten

Utö die Ganzjahresinsel

All zu lange konnte ich nicht in Vaxholm bleiben. Ich musste weiter nach Årsta Brygga um das Boot nach Utö nicht zu verpassen. Mein Schwedenmobil blieb schön am Anleger und das Kursschiff brachte mich in 35 Minuten auf die Insel. Utö ist eine der Schäreninseln, die das ganze Jahr von ca. 200 Leuten bewohnt wird. Deshalb ist auch die Infrastruktur recht gediegen. Es hat einen ICA, eine Bäckerei, einige Boutiquen und natürlich viele touristische Angebote.

Über allem thront das Utö Värdshus. Dieser kleine Komplex mit Hotel, Restaurant, einem Hostel und vielen Zusatzangeboten ist ideal, um ein paar Tage auf Utö zu verbringen. Ich durfte eine Stuga benutzen mit zwei Zimmern, einem Wohnbereich und frisch renovierter Nasszelle. Im Hotel selber hat es gemütliche Doppelzimmer und Suiten. Je nach Aufenthalt bietet das Utö Värdshus verschiedene Package an.

Im Hotelrestaurant werden die Gäste mit erstklassigen Menüs verwöhnt und bei Sonnenschein kann man draussen einen erfrischenden Drink geniessen. Malin Lidström, die Hotelchefin, hatte mir am Hafen ein Velo reserviert. Da vor dem Essen noch genügend Zeit blieb, unternahm ich eine Erkundungsfahrt der Küste von Utö entlang. Am Hafen herrscht in der Sommerzeit reges Treiben, die Leute sitzen draussen im Café oder grillieren in den eigenen Gärten, an denen man auch mit dem Velo auf der Rundfahrt vorbei kommt. Ein freundliches hej, hej ist dann allemal angebracht.

Viele Angebote auf kleinem Raum

Der Küste entlang trifft man immer wieder auf schöne Badepläzte, Buchten und kleine Häfen. Auch eine imposante Kirche steht da mächtig auf einer kleinen Anhöhe. Falls jemand von euch demnächst heiraten will, das ist also ein sehr schöner Ort, um den ewigen Bund der Treue zu schliessen. Das wäre auch taktisch klug, den so könnt ihr regelmässig nach Schweden reisen um dann auf Utö zu sagen: Weisch no? Da hält die Ehe sicher ewig.

Nach dem aber die Heiraterei bei meinem Abstecher nach Utö nicht auf dem Programm stand, machte ich mich noch schlau, was man sonst noch auf der Insel treiben kann, wenn man ein paar Tage hier ist. Den Gästen seht ein bunter Strauss von Aktivitäten zur Verfügung. Nach der morgendlichen Tour mit dem Velo, kann man am Mittag ein Match Tennis spielen, um dann am Nachmittag mit dem Kanu die Schären zu erkunden. Die Strapazen des Tages können gegen Abend in der Sauna weggeschwitzt werden. Und sonst sitzt man einfach an ein lauschiges Plätzchen und liest ein Buch. Das soll ja bekanntlich auch nicht schaden.

Sörmlandsleden für Wanderfreunde

Leider musste ich dann Utö nach einer Nacht wieder verlassen, um nach Trosa zu fahren. Der sportlichste Teil meiner Schwedenreise stand auf dem Programm. Åsa Malmqvist von
Visitsörmland hatte geplant, mich auf dem Sörmlandsleden 21 Kilometer wandern zu lassen. Grosser Gott, das ist ja ein Halbmarathon. Ok, in der Rekrutenschule habe ich den 50er auch überstanden und so schaute ich diesem Spaziergang mit grossem Optimismus entgegen. Zuerst konnte ich im Trosa Stadshotell & Spa mein Gepäck deponieren, meine Verpflegung fassen und einen Stärkungstrank zu mir nehmen. Anschliessend chauffierte mich das Taxi zum Königlichen Schloss Tullgarn und los konnte der Marsch auf dem Sörmlandsleden gehen.

Der Sörmlandlieden ist total 1000 Kilometer lang und ausgezeichnet markiert, so dass man ohne Karte den Weg findet. Meine Etappe führte mich vorbei an Feldern, Weiden mit Pferden, durch Wäder mit Moospfaden, über Schärenklippen und Schleichpfade durch das Schilf. Die Wanderung als solches ist nicht anstrengend, da es wenige Höhenmeter zu absolvieren gilt. Da die Wege zum Teil holperig sind und über Stock, Stein und Wurzeln führen, ist gutes Schuwerk und Konzentration unabdingbar. Unterwegs findet man immer wieder schöne Punkte für einen Zwischenhalt und das Picknick. Allerdings warne ich euch vor. Es hat unterwegs keine Restaurants. Das mit dem kühlen Bier müsst ihr auf den Schluss der Wanderung verschieben.

Trosa Stadshotell & Spa: Das Beste zum Schluss

Zurück im Hotel, war dann der Besuch im tollen Spa Bereich des Trosa Stadshotell eine Wohltat für meine müden Glieder. Dieses Hotel ist wirklich toll. In meinem Artikel dazu gibt es mehr zu lesen:

Trosa: Trosa Stadshotell & Spa

Für diesmal habe ich nicht im Stadshotell gegessen, sondern das Bomans am Hafen getestet. Das war ein guter Entscheid, denn der Burger, den sie dort machen, ist einer der Leckersten in Sörmland. Beim Stichwort Bomans muss ich noch die hausgemachten Glaces erwähen. Die gehören weit und breit zu den Besten. Ich habe die schon ausprobiert. Grossartig.

Das waren dann auch schon meine drei Tage in den Schären vor Stockholm. Die Ostküste ist grossartig und einem längeren Urlaub in dieser Region steht nicht’s im Weg. Falls du auch Erlebnisse in den Schären vor Stockholm hast, dann schreib mir doch davon.

Text: Andrea Ullius
Fotos: Andrea Ullius