Was für uns Schweizer der Steinbock, ist für die Schweden der Elch. Er ist der König der Wälder, das grösste Tier das dort lebet. Im 18. Jahrhundert wäre er beinahe ausgerottet worden. Ich behaupte jetzt einfach, dass es der Traum eines jeden Schwedenreisenden ist, einen Elch in freier Natur zu sehen. Ich habe 9 Jahre warten müssen, bis ich endlich einen Elch in freier Natur gesehen habe. Bis dahin habe ich nur welche in Zoos oder Elchgehegen gesehen. Mein Liebling ist Holger ist und wohnt auf Schloss Östermalma.

Es ist schon etwas deprimierend. Wenn man über Land fährt, steht alle paar Kilometer ein Warnschild «Vorsicht vor dem Elch». Und tatsächlich sind 20% aller Autounfälle in Schweden durch Elche verursacht. Es würde mich ja wundern, was da in Bern die Beamten von «Via sicura» für Panikanfälle bekommen würden. In Schweden setzt man auf Information und die Vernunft der Autofahrer. Trotzdem hat es «ewig» gedauert, bis ich einen Elch in freier Natur gesehen habe.

Es gibt einige Gründe für die Unsichtbarkeit der Elche. Sie sind sehr scheu und eher nachtaktiv. Zudem verfügen sie über die erstaunliche Fähigkeit, sich nahezu unsichtbar zu machen. Manch ein Jäger kann ein Lied davon singen. Ein weiterer Punkt, der Elchsichtungen erschwert, ist, dass diese Tiere einen hervorragenden Geruchssinn haben. Ich habe es erlebt: Zusammen mit einem Freund bin ich in Jämtland in der Dämmerung durch den Wald gefahren und habe tatsächlich auf einer Lichtung drei Elche gesehen. Solange wir im Auto waren, war alles gut; die Elche würdigten uns keines Blickes. Kaum hatten wir das Fenster geöffnet, nahmen sie Reissaus. Interessant ist auch, dass ich bei einem Ausritt mit einem Pferd ebenfalls auf Elche getroffen bin. Diese machten jedoch nicht im Ansatz einen Fluchtversuch. Der Geruch des Pferdes war stärker als meiner und ein Pferd stellt für den Elch keine Gefahr dar.

Elch, der grösste Hirsch der Welt
Der Elch ist die grösste Hirschart der Welt und kann bis zu 800 Kilogramm schwer werden. Die Bullen erreichen eine Schulterhöhe von bis zu 2,4 Metern und eine Länge von bis zu drei Metern. Der Bursche passt also in kein herkömmliches Parkhaus. Diese Überlegung kam mir gerade in den Sinn, da ich regelmässig eine Parkmöglichkeit für meinen Camper suchen muss und Parkhäuser meist auf zwei Meter Höhe beschränkt sind. Zurück zum Elch. Er kann bis zu 60 Stundenkilometer schnell rennen, schwimmen und bis zu einer Minute tauchen. Ausserdem kann er Zäune von über zwei Metern Höhe überspringen. Und noch etwas: Nur die Männchen haben ein Geweih.
Wer das mit dem Schwimmen und tauchen nicht glaubt, sollte sich jeweils im April die Elchwanderungen anschauen. Das schwedische Fernsehen überträgt dies äusserst langsame Geschichte während Wochen live. «Den stora äögvandringen» wird mit bis zu 40 ferngesteuerten Kameras live auf der Seite https://www.svtplay.se übertragen. Schau also im April im Schwedischen Fernsehen vorbei.
Eine Stelle bei Kullberg nahe der Ortschaft Junsele ist einer der traditionellen Orte, an denen Elche passieren. Grund für diese Wanderungen ist, dass es im Frühjahr im Inland wieder mehr Futter gibt. Elche sind zwar Einzelgänger, aber wenn sie an den Flüssen darauf warten müssen, dass die Eisverhältnisse eine Überquerung zulassen, treffen sie sich teilweise in Gruppen. Es wandern jedoch nicht alle Elche. Viele bleiben ihr ganzes Leben lang in ihrem Territorium. Man könnte fast sagen, es gibt wandernde und stationäre Elche.

So viel zu den Fakten. Was also tun, wenn man in der freien Natur keinen Elch entdeckt? Man geht in den Zoo oder in einen Elchpark. Vorteil dieser Einrichtungen ist natürlich, dass man mit Garantie einen Elch sieht. Subjektiver Nachteil ist, dass einige dieser Elchparks zu einem wahren Streichelzoo verkommen sind.
Auf Schloss Östermalma in Sörmland lebt unter anderem Holger, ein stattlicher Bursche. Er ist zwar zahm, hat aber doch noch einen gewissen Respekt von den Besuchern. Er darf auch nicht gefüttert werden und hat ein sehr grosses Gelände, auf dem er sich bewegen und bei Bedarf zurückziehen kann.

Wenn der Elch zahm ist
Das Gegenteil von Östermalma ist die Dalsland Moose Ranch. Auch hier haben die Tiere viel Platz zur Verfügung und können sich ihr Futter grundsätzlich selber suchen. Allerdings werden sie mehrere Male am Tag an den Futterstellen beim Parkeingang gefüttert. Das können die Zuschauer tun. Und dann bricht die Hektik aus. Alle Besucher wollen einen Elch streicheln, ein Selfie mit Älgert und seiner Familie machen und sie mit Zweigen füttern. Diese Art von Kontakt zu den Elchen finde ich persönlich übertrieben. Wenn dann sogar die Elchkuh mit ihren beiden Kleinen kein Wank macht, wenn die Gäste nach ihren Jungen tatschen, dann ist das für mich zu viel des Guten. Es kann aber auch sein, dass ich das falsch verstanden habe und es mir da einfach zu laut und zu unzivilisiert zu und her ging. Vielleicht kann man ja Elche auch domestizieren, wie die Katzen.
Ein weiterer sehr schöner Elchpark findest du in Kosta in der Nähe der Glashütte (Småland). Grönåsen Älg & Lantdjurspark zeigt neben Elche auch diverse Nutztiere, wie Ziegen und Hühner. Ein Besuch hier lässt sich bestens mit einem Abstecher ins Glasreich verbinden.

Besonders Spektakulär ist Wrågården. Hier kannst du in einem Elch schlafen. Wie das geht? Lies doch einfach meinen Artikel darüber.

Zur Zeit gibt es in Schweden ungefähr 400’000 Elche. Im Herbst ist grosse Jagd, da werden 100’000 davon erlegt. In den Restaurants findet man Elch aber relativ selten auf der Speisekarte. Die Jäger füllen lieber ihre eigene Gefriertruhe. Elch schmeckt übrigens eher nach Rind, denn nach Wild. Elchfleisch kann man teilweise auch im Supermarkt kaufen. Nebst Steaks usw. gibt es auch Elchsalami. Die ist noch ganz lecker. Es gibt sogar Onlineshops, die Elchprodukte verkaufen. Raphael Wörle beschreibt auf seiner Webseite wie verschieden Fleischsorten schmecken, unter anderem auch Elch.

Tipps für die Elch-Beobachtung
Wie schon erwähnt, habe ich lange Zeit keinen Elch in freier Natur gesehen. Auf dem Weg nach Åmot zu «Stilleben» stand plötzlich eine Elchkuh am Strassenrand. Ich war mit etwa 60 Stundenkilometern unterwegs und konnte deshalb nur einen kurzen Blick auf das hübsche Tier erhaschen. Immerhin, ich habe einen Elch live gesehen. Wenn du Elche in freier Natur sehen möchtest, empfehle ich dir, einen professionellen Anbieter für Elchtouren zu buchen. Es gibt viele davon.
Zur Sicherheit habe ich einige Tips eingeholt und mir eine Taktik für die nächste Schwedenreise zurecht gelegt.
- Elche beobachtet man am besten in den langen Abendstunden eines Sommertages.
- Elche sind Einzelgänger. Die Ausnahme sind Elchkühe, die ab und zu ein bis zwei Kälber oder auch mal einen einjährigen Elch dabei haben. Man muss also gut hinschauen und auch etwas Geduld haben.
- Idealerweise fährt man mit dem Auto auf entlegenen Waldwegen und hält bei langsamer Fahrt Ausschau nach den Elchen. Langsam heisst Schritttempo.
- Die besten Beobachtungsorte sind offene Flächen, Weiden, Rodungen. Hier hat man auch den besten Überblick.
- Frag Einheimische, wo die beste Orte sind, um einen Elch zu sehen. Elche sind recht standorttreu.
- Ein Fernglas ist ein guter Helfer. Trotz der Grösse werden Elche auf Distanz klein…;-))
- Elche haben einen hervorragenden Geruchssinn. Bleib am besten im Auto, dann können sie dich nicht riechen und rennen nicht davon.
Mehr, mehr, mehr Elche
Nachdem ich meinen ersten Elch 2017 am „Strassenrand“ gesehen habe, wollte ich natürlich mehr. In Kiruna habe ich eine Elchsafari auf dem Rücken eines Islandpferdes gemacht und im dichten Wald mehrere Elche gesehen. Hier der Beweis:

Wenn der Bann einmal gebrochen ist, dann läuft es, wie geschmiert. Unterdessen haben ich bei verschiedenen Gelegenheiten Elche in freier Natur gesehen. Dies sowohl im Sommer, als auch im Winter. Bei meinem zweiten Besuch in Kiruna konnte ich mich einem Elch sogar bis auf 10 Meter nähern.



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