Es wird je länger je schwieriger in Stockholm die kulinarische Übersicht zu behalten. Beinahe wöchentlich trumpft die schwedische Hauptstadt mit neuen Lokalen, Foodtempeln und Gastro-Konzepten auf. Ein Restaurant, das auf dem Weg nach ganz oben ist nennt sich Adam/Albin. Ich habe es getestet.

Adam/Albin
Die beiden Chef’s des Adam/Albin: Adam Dahlberg und Albin Wessman (Foto: Fredrik Skogsvist)

Jedesmal, wenn ich in Stockholm bin, gönne ich mir ein ganz besonderes gastronomisches Erlebnis. Eigentlich hätte ich das an neuer Stelle wiedereröffnete Restaurant von Björn Franzén besuchen sollen. Die Gastrokritiker überschlagen sich vor Begeisterung und Franzén ist wieder in aller Munde. Dumm ist dann halt, dass die neue schwedische Nummer Eins bereits wieder auf Wochen hinaus ausgebucht ist. Darüber bin ich aber gar nicht so unglücklich.

Meine Wahl fiel schnell auf das Restaurant Adam/Albin. Im letzten Sommer wurde mir dieses Lokal noch als Geheimtipp empfohlen. Unterdessen gehört es bereits zu den besten Adressen in ganz Schweden. Mit List und Tücke konnte ich mir einen Platz sichern und meine Erwartungen an den Abend, es war ein Montag, waren recht hoch.

Adam/Albin sind mehr als zwei gute Köche

Das Fazit zuerst. Du musst da hin! Wenn du nämlich den ersten Bissen genossen hast, dann wird dir klar, dass hier zwei unglaublich talentierte Köche am Werk sind. Adam Dahlberg und Albin Wessman, so heissen die beiden Kreateure, brillieren sowohl geschmacklich, als auch in Bezug auf die Kreativität. Ihr Handwerk haben sie unter anderem bei Mathias Dahlgren erlernt, immerhin einem zwei Sterne Koch.

Adam/Albin
Ausgeklügelte Kombinationen und Kreationen. (Foto: Fredrik Skogkvist)

Adam und Albin kochen in erster Linie mit Zutaten, die auch sie persönlich besonders mögen. Dabei lassen Sie sich von Einflüssen aus der ganzen Welt inspirieren. Die Basis ist aber immer das schwedisch gastronomische Erbe, also eine gewisse Einfachheit.

Das Essen befriedigt zweifellos höchste Gourmetamsprüche. Das Lokal selber entspricht aber keineswegs einem klassischen Gourmettempel. Dazu ist das Lokal zu urban, zu laut, zu freundlich und zu unkompliziert. Genau dafür liebe ich Adam/Albin. Es gibt nicht’s Tolleres, als am Hochtisch in der Mitte mit anderen Gästen zu sitzen, der Küchenbrigade beim Kochen zuzusehen und dabei mit anderen Menschen ins Gespräch zu kommen.

Adam/Albin
Am Rand tiefe, klassische Tische, in der Mitte die Hochtische. (Foto: Adam/Albin)

Wer es etwas intimer möchte, der kann auch an tieferen Tischen sitzen, ist dann aber nicht mitten im Geschehen. Für spontane Besuche eignet sich die Bar in Eingangsbereich. Hier kann man ein Glas Wein oder einen leckeren Cocktail geniessen.

Die Qual der Wahl trotz kleiner Karte im Adam/Albin

Nun zur Frage: was gibt es zu essen? Das Konzept ist simpel. Ein Menü besteht aus fünf Gängen. Der erste Gang besteht aus diversen kleinen Snacks, die auf der Basis der besten Produkte basieren, die an diesem Tag verfügbar sind. Für die Gänge zwei bis fünf kannst du aus jeweils zwei bis drei Varianten auswählen. Reichen dir fünf Gänge nicht, dann darfst du noch aus weiteren limitierten Gerichten auswählen. Die Auswahl ist also recht umfangreich.

Adam/Albin
Messer sucht man im Adam/Albin vergebens. (Foto: Andrea Ullius)

Selbstverständlich kannst du zu jedem Gang eine passende Weinbegleitung auswählen. Auch hier macht die Sommelière eine hervorragende Falle. Die Auswahl passte bestens und harmonierte mit den Aromen der Gerichte vorzüglich. Da ich von Weinen nur beschränkt eine Ahnung habe, kann ich euch die einzelnen Weine nicht beschreiben. Für mich haben sie einfach gepasst.

Und dann ging es los mit den Leckereien. Als Amuse bouche gab es eine tolle Kombination von Kürbis mit Morcheln und einem Cracker.

Adam/Albin
Dieser Start versprach einen tollen Abend. Es wurde auch einer. (Foto: Andrea Ullius)

Zum noch warmen Brötchen servierte man mir eine schöne weiche Butter auf einem Kräuterbeet und Sauerampfer. Alleine diese coole Combo könnte man als Gang durchgehen lassen.

Adam/Albin
Nur schon die Blättchen des Sauerampfers auf der Butter zu platzieren ist eine Heidenarbeit. (Foto: Andrea Ullius)

Überraschungen Schlag auf Schlag im Adam/Albin

Nun folgten die leckeren Überraschung-Snacks aus der Küche. Sesationell war der asiatisch angehauchte weisse Spargel mit Rogen. Angerichtet war der Spargel auf einem Eis-Türmchen. Es folgten weitere zwei Happen mit unterschiedlichen Texturen und Aromenkombinationen. Ehrlich gesagt, ging mir das schon fast etwas zu schnell.

Nun folgten die nächsten drei Gänge. Ich habe euch in der Foto-Beschreibung die offiziellen Texte aus der Speisekarte notiert. Die Gänge werden perfekt portioniert. Du braucht keine Messer, sondern nur Gabel und Löffel. Der Löffel ist ganz wichtig, damit du auch die diversen Sösschen und Fonds bin zum letzten Tropfen geniessen kannst.

Die drei Gänge haben mich restlos begeistert. Man merkt dass hier sehr viel Ehrzeiz und Kreativität am Werk ist. Alle Aromen sind perfekt aufeinander abgestimmt. Nie hat man das Gefühl, dass ein Tick zu wenig oder zuviel Salz verwendet wurde. Toll ist aber auch, dass man die einzelnen Zutaten aus den Gerichten schmeckt und auch sieht.

Die Teller kommen als kleine Kunstwerke daher. Trotzdem wirkt die Anrichtung strukturiert und schlicht. Ich hatte nie den Wunsch „das hätte man jetzt auch weglassen können“. In sich war das optisch, wie auch geschmacklich einfach Stimmig.

Eine Sensation war das Dessert. Hier leistete sich das Adam/Albin den einzigen Fauxpas des Abends. Ich hatte Butter Baked Apple bestellt und Caramelized Orange gekommen. Was für in Glück. Ich durfte das wohl beste Orangendessert meines Lebens verdrücken.

Was mir besonders gut gefallen hat, ist der sehr professionelle, aber auch unkomplizierte Sevice. Technisch tadellos und zusätzlich mit viel Charme, Begeisterung und Witz werden die Gäste im Adam/Albin umsorgt. Generell fällt mir auf, dass in Schweden viele junge Menschen im Service arbeiten und einen ausgezeichneten Job machen. Ich denke es liegt daran, dass das Personal sehr gut ausgebildet ist, der Job als Servicekraft aber auch einen gewissen Stellenwert hat. Während in unseren Breitengraden Servierpersonal oft abschätzig behandelt wird, ist in Schweden das Gegenteil der Fall. Man schätzt diese Dienstleistung.

Mein Ausflug ins Adam/Albin endete nicht nur kulinarische sehr erfolgreich, auch gesellschaftlich was es ein Volltreffer. Am gleichen Abend fand im Stadtshuset die Verleihung der Preise des neuen White Guide statt. Der Gastroführer Skandinaviens wählte die Restaurants des Jahres. Im Anschluss an die Verleihung trudelten diverse Preisträger und Nominierte im Adam/Albin ein und setzten sich an meinen Tisch. Die Gespräche waren sehr aufschlussreich und erfrischend.

Bevor ich es vergesse, noch ein Wort zum Preis. Das Menü mit den fünf Gängen schlägt mit 895 SEK zu Buche. Alles in allem (Weinbegleitung, Zusatzgang, Kaffee, Spirituosen) hat mich dieser grossartige Abend etwa 300 CHF / 250 EUR gekostet. Ich bereue keinen einzelnen Franken.

Adam/Albin
Rådmansgatan 16, 114 25 Stockholm

41 8-411 55 35
restaurang@adamalbin.se
http://adamalbin.se

59.343168, 18.066073
https://goo.gl/maps/JrA8iFWK2hx

 

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