Was das Kaffee Sprüngli in Zürich oder das Café Sacher in Wien, ist das Vete-Katten in Stockholm. Eine Confiserie und Bäckerei von Weltruf. Hier entstehen unter anderem die legendäre Prinsesstårta und am Fetisdagen tausende von Semlor. Für mich war klar. Ich musste rein in diese Backstube.

Bedienung
Herzlich willkommen im Vete-Katten, dem Paradies für Süsse. (Foto: Vete-Katten / Susanna Blåvarg)

Über die Kaffee-Kultur in Schweden namens Fika habe ich mich schon des öfteren ausgelassen. Es gibt kaum einen Ort im Land der Elche, der nicht mindestens ein kleines Kaffee hat, an dem Fika zelebriert wird. Ist man dann in Stockholm, explodiert die Zahl der Möglichkeiten förmlich.

Eines der traditionsreichsten Kaffees in Stockholm ist zweifellos das Vete-Katten. Hier passt vom Kaffee über das Brot bis zu den Süssigkeiten alles. Über das Vete-Katten spricht man, es wird viel darüber geschrieben aber am liebsten besucht man es.

Ladenlokal
Die Räume des Vete-Katten: modern und trotzdem traditionell: (Foto: Vete-Katten / Susanna Blåvarg)

Gegründet wurde die legendäre Bäckerei 1928 von Ester Nordhammar. Sie war eine der wenigen Frauen, die zu dieser Zeit ein eigenes Geschäft betreiben konnte. Ihre Intention war es Brot und Brötchen von bester Qualität zu backen. Zudem beschäftigte Ester bis zu ihrem Tod im Jahr 1961 konsequent nur Frauen. Nach ihrem Tod ging das Geschäft an vier ihrer Angestellten über. 1979 schliesslich wurde das Vete-Katten an Agneta und Östen Brolin verkauft. 1997 konnte dann Chef-Patisier Johan Sandelin mit Partnern die Bäckerei und Konditorei übernehmen. Seither entwickelt sich das Vete-Katten stetig weiter.

Vete-Katten Chef mehrfach ausgezeichnet

Der Inhaber und Chef-Patissier Johan Sandelin ist ein wahrlicher Meister seines Fachs. Viele internationale Auszeichnungen hat er in seiner Karriere erhalten, und so verwundert es nicht, dass die Produkte des Vete-Katten zu den Besten in Schweden gehören. Schon fast weltbekannt ist die Prinsesstårta, die ihren Weg auch immer wieder zur Königsfamilie findet.

Johan Sandelin
John Sandelin, Meister seines Fachs. (Foto: Vete-Katten / Susanna Blåvarg)

Das Vete-Katten ist ein verwinkeltes Lokal. Es gleicht beinahe einem Labyrinth. Überall trifft man auf gemütliche und lauschige Ecken, um Kaffee zu trinken. Auch die Theke ist eine Augenweide. Nebst Brot und Süssigkeiten findet man hier auch leckere Snacks, wie Salate, Sandwiches usw.

Grossproduktion auf kleinem Raum im Vete-Katten

Nicht minder verwinkelt ist der Produktionsbereich von Johan Sandelin. Hier ist stets ein emsiges Treiben, der Geruch von Mehl und Zucker liegt in der Luft. Da werden Torten verziert, Teige geknetet und Sahne geschlagen. Alles wird frisch hergestellt und nur die besten Zutaten kommen in die Produkte. Im hintersten Bereich der Backstube sind zur Zeit die Handwerker mit Installationen beschäftigt. „Wir müssen wieder etwas vergrössern“, schmunzelt Sandelin.

Auch das schwedische Königshaus nascht gerne von Sandelins Prinsesstårta. (Foto: Vete-Katten / Susanna Blåvarg)

Es gibt Tage, da übertrifft die Nachfrage im Geschäft beinahe die Kapazität des Machbaren. Und der Bedarf an Süssem beginnt nicht etwa erst am Nachmittag. Um 9 Uhr werden hier schon Semlor verdrück. In unseren Breitengraden ist das höchstens als Nachtisch oder dann am Nachmittag unter dem Deckmantel Kaffee und Kuchen vorstellbar.

Ruhe vor dem Sturm: Die Tische im Vete-Katten sind meist besetzt. (Foto: Vete-Katten / Susanna Blåvarg)

Semla, die Königin der Leckereien

Semla (Mehrzahl: Semlor) ist Kult im Vete-Katten. Es ist sogar angebracht, wenn man vom Mekka der Semlor spricht. Am Fetisdagen (kommt von den feta tisdagens / fetter Dienstag), dem Dienstag vor Aschermittwoch, werden hier sage und schreibe 25`000 Semlor verkauft. Eine unglaubliche Zahl. Und selbst an normalen Tagen, wandern 700 bis 800 dieser Süssspeisen über den Ladentisch. Im Vete-Katten werden Semlor nur von Weihnachten bis Ostern angeboten. Denn eigentlich war das früher die letzte nahrhafte Mahlzeit vor den Fastetagen. Aber so genau nimmt man das heute nicht mehr.

Vete-Katten
Auch grossartige Schokotorten werden mit Liebe hergestellt: (Foto: Andrea Ullius)

Die Semlor des Vete-Katten gehören zu den Besten in Stockholm, wenn nicht ganz Schweden. Die Königsfamilie vertraut auf die Kalorienbombern von Johan Sandelin, aber auch Hinz und Kunz (in Schweden heissen die wohl Eriksson und Johansson) lassen sich diesen Schmaus nicht entgehen.

Der Teig ist entscheidend. (Foto: Andrea Ullius)

Und so wollte ich das natürlich etwas genauer wissen und liess mich in das Geheimnis der Samla-Backkunst einführen. Punkt 8 Uhr stand ich im Vete-Katten auf der Matte. Zuerst zeigte mir Bäckermeister Bengt Karlsson, wie man den mit Kardamom aromatisierten Teig für die Semmeln herstellt (siehe Rezept am Schluss). Da wir hier von einem Hefeteig sprechen, muss man den dann zuerst „gehen“ lassen. Ideal um Fika einzulegen.

So werden Semlor im Vete-Katten hergestellt

Ist der Teig parat, wird er abgewogen, portioniert und mit einer raffinierten Maschine zu Kugeln geformt. Diese kommen dann in den Ofen und werden gebacken.

Sind die Brötchen fertig und ausgekühlt, schneidet man mit einer Schere ein Dreieck in die Semmel und stellt den Deckel zur Seite. Nun kommt die Mandelmasse, die nicht zu dick sein darf, rein. Am besten geht das mit einem Spritzbeutel. Hier wurde ich von Malin Liljeros bestens instruiert.

Nun wird die Sahne geschlagen und zwar so, dass sie genau die richtige Konsistenz hat und schön glänzt. Sie darf nicht zu fest sein. Auch mit einem Spritzsack wird sie nun auf die Semlor drappiert.

Nun wieder den Deckel drauf und mit Puderzucker bestäuben. Fertig sind die Semlor. Und nein, ich weiss nicht, wieviele Kalorien eine hat. Das interessiert auch niemanden.

Und für alle, die nun selber Semlor backen wollen, hat mir Johan Sandelin im Vertrauen sein Rezept gegeben. Probiert es aus.

Rezept SemlorJohan Sandelin

www.vettekatten.se

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