Die Schweden lieben Weihnachten und sie lieben gutes Essen. Und so erstaunt es nicht, dass sie die ideale Kombination dafür gefunden haben. In den Weihnachtstagen biegen sich die Tische in den schwedischen Haushalten und Gastronomiebetrieben unter einer Vielzahl von leckeren Speisen. Das Julbord ist angerichtet.

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Um es vorweg zu nehmen. Die Zubereitung eines Julbords ist aufwändig, wenn man alles selber machen will. Da lohnt es sich auch, wenn dann die ganze Familie am prall gefüllten Tisch Platz nimmt. Das Julbord hat aber einen grossen Vorteil: vieles kann man vorbereiten, so dass beim Essen niemand vorwiegend in der Küche stehen muss. Und meist reichen die Vorräte locker bis Silvester.

Gerade weil die Vorbereitung eines umfassenden Julbords viel Zeit und Können braucht, bieten viele Schwedische Restaurants ein Julbord für Weihnachtsfeiern von Firmen und Vereinen an. Die Schlemmerei findet in der Adventszeit statt, zu Hause geniesst man das Buffet vorwiegend an Heiligabend oder am Weihnachtstag.

Was ist aber ein Julbord? Im Grunde ist es ein Smörgåsbord, wie man es in vielen Gegenden von Schweden kennt. Zur Weihnachtszeit wird es dann noch mit weiteren, typischen Gerichten, z.b. dem Weihnachtsschinken (Julskinka) aufgepeppt. Das Julbord wird auf einer Anrichte im Esszimmer oder in der Küche aufgebaut, und jeder bedient sich selber vom Buffet. Und eine Bitte an alle Nichtschweden: Die Teller werden nicht vollgeladen, sondern man holt sich immer kleine frische Portionen. Das Julbord ist also keine Buffetschlacht, sondern ein gemütliches Beisammensein, das sich gerne über Stunden hinziehen kann. Hamstern am Büffet wird in Schweden nicht geschätzt. Merkt euch das.

Nun geht es also los mit der Feier. Am besten startet man mit einem Glögg, dem schwedischen Glühwein mit Mandeln und Rosinen. Dazu gibt es ein paar knusprige Pepparkakor. Das zusammen schmeckt schon so grandios nach Weihnachten, man kommt richtig in Stimmung. Ich finde es noch schön, wenn man den Glögg draussen im Garten, auf dem Balkon oder der Veranda gereicht bekommt und erst dann in die Warme Stube disloziert. Das Rezept für eine leckeren Glögg habe ich euch vor einiger Zeit aufgeschrieben. Hier nochmals die Infos dazu.

Bevor wir uns über das Buffet hermachen, sei noch erwähnt, dass je nach Region auch die Speisen unterschiedlich sein können. Nur schon beim Kohl gibt es Unterschiede. Neben dem klassischen Rotkohl „Rödkål“ gibt es in Halland eher „Grönkål“ (Grünkohl) und in Skåne „Brunkål“ (Braunkohl). Alles klar?

Diverse Kohlsorten
Diverse Kohlsorten

 

In der Regel gibt es drei „Gänge“ bei einem Julbord. Man startet mit dem kalten Buffet. Dominant sind die diversen Sorten eingelegten Hering (Sil). Oft gibt es auch Lachs in unterschiedlichen Variationen, wobei sich die Schweden nicht einig sind, ob Lachs dazu gehört oder nicht. Wenn er dabei ist, dann braucht es auch Dill-Senf-Sauce, Meerrettich-Sauce oder Hovmästarsauce (Graved-Lachs-Sauce). Ergänzt wird die Fisch-Bescherung mit Krabben zum Schälen oder Krabbensalat. Auch schon habe ich Räucheraal auf so einem Buffet entdeckt. Was nie fehlen darf ist Leberpastete (Leverpastej) und diverser Wurstaufschnitt, Eier und weitere Ergänzungen nach Lust und Laune. Elch und Rentier sind in unterschiedlicher Form auch oft zu finden.

Per-Erik Berglund hat einige Häppchen fotografiert. Vielen Dank für die tollen Fotos.

Ist das kalte Buffet ausgiebig ausprobiert worden, dann wechselt man zu den warmen Speisen. Hier sind natürlich Köttbullar ein Muss, ebenso die Prinskorv, kleine geräucherte Würstchen. Himmlisch ist auch die Janssons frestelse, ein Kartoffelgratin mit Anchovis. Und dann darf der Julskinka (Schinken) mit süssem Senf auf keinen Fall fehlen.

So kann das dann etwa aussehen, hier natürlich schön angerichtet.

Zu guter Letzt, wenn der Bauch schon prall und die Stimmung toll ist, gibt es noch den Nachtisch. Dieser kann aus Rismalmata (kalter Milchreis) mit Sahne, Vanillezucker und Apfelstückchen bestehen. Oft sieht man auch Lissekatter, Plätzchen, Kuchen oder auch Käse auf dem Tisch.

Durst kommt sicher auch auf. Speziell an den Festtagen gibt es Julmust (eine Süsse Brühe). Julmust ist ein Limonadengetränk, das hauptsächlich in Schweden verkauft wird. Es ähnelt dem in Deutschland bekannten Malzbier und enthält neben Hopfen und Malz 30 weitere Zutaten.

In der Abteilung Alkohol ist das süsse, dunkle Julöl (Weihnachtsbier) Trumpf. Zum Fisch trinkt man gerne Aquavit oder einen trockenen Weisswein. Zum Fleisch darf es auch ein Gläschen Rotwein sein. Abgerundet wird die Sause mit Kaffee und einem Schnäpschen (Kaffe me avec).

Ihr habt es sicher bemerkt. Der Fantasie sind bei so einem Julbord keine Grenzen gesetzt. Pflicht ist Sil (Hering) und der Julskinka. Ansonsten werden regionale und traditionelle Gerichte aufgetischt. Lustig ist auch, wenn jeder Gast selber etwas vorbereitet und mitbringt.

Wer einige dieser typischen Spezialitäten auch auf seiner Weihnachtstafel finden möchte, kann sich im Onlineshop Onfos.de mit original schwedischen Produkten eindecken.

Text: Andrea Ullius
Fotos: Carolina Romare / Per-Erik Berglund

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