Julbord: Das Smörgåsbord XXL

Schwedens kulinarischer Höhepunkt

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Die Schweden lieben Weihnachten und sie lieben gutes Essen. Und so erstaunt es nicht, dass sie die ideale Kombination dafür gefunden haben. Vor den Weihnachtstagen biegen sich die Tische in den schwedischen Haushalten und Gastronomiebetrieben unter einer Vielzahl von leckeren Speisen. Das Julbord ist angerichtet.

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Die ganze Familie trifft sich zum Julbord (Foto: Carolina Romare/imagebank.sweden.se)

Um es vorweg zu nehmen. Die Zubereitung eines Julbords ist aufwändig, wenn man alles selber machen will. Da lohnt es sich auch, wenn dann die ganze Familie am prall gefüllten Tisch Platz nimmt. Das Julbord hat aber einen grossen Vorteil: vieles kann man vorbereiten, so dass beim Essen niemand vorwiegend in der Küche stehen muss. Und meist reichen die Vorräte locker bis Silvester.

Gerade weil die Vorbereitung eines umfassenden Julbords viel Zeit und Können braucht, bieten viele Schwedische Restaurants ein Julbord für Weihnachtsfeiern von Firmen und Vereinen an. Die Schlemmerei findet in der Adventszeit statt, zu Hause geniesst man das Buffet vorwiegend an Heiligabend oder am Weihnachtstag.

Das Julbord als gastronomische Königsdisziplin

Wenn du im Dezember in Schweden bist, dann ist es ein Leichtes, ein Lokal zu finden, das ein Julbord zelebriert. Wenn du dir aber nicht rechtzeitig einen Tisch reserviert hast, dann kann es trotz allem eng werden.

Eines der grossartigsten Julbords wird im Fjäderholmarnas Krog auf der Insel Fjäderholm vor Stockholm aufgetischt. Seit 2006 inszeniert Gert Klötzke das Julbord mit täglich über 300 Gästen. Wahnsinn. Während früher die Speisen in grossen Schüsseln oder Platten serviert wurden, hat Klötzke ein neues System etabliert. Alle Gerichte werden sinnvoll portioniert, so dass das Buffet auch nach dem ersten grossen Ansturm noch ansehnlich aussieht. Schau dir die Fotos unten an, dann weisst du, was ich damit meine.

So sieht das unglaubliche Julbord im Fjäderholmarnas Krog aus. (Foto: Per-Erik Berglund)

Fjäderholmarnas Krog
Stora Fjäderholmen
SWE-100 05 Stockholm

+46 8 718 33 55
info@fjaderholmarnaskrog.se
fjaderholmarnaskrog.se


Julbord, aber richtig

Was ist aber ein Julbord? Im Grunde ist es ein Smörgåsbord, wie man es in vielen Gegenden von Schweden kennt. Zur Weihnachtszeit wird es dann noch mit weiteren, typischen Gerichten, z.b. dem Weihnachtsschinken (Julskinka) aufgepeppt. Das Julbord wird auf einer Anrichte im Esszimmer oder in der Küche aufgebaut, und jeder bedient sich selber vom Buffet.

Und nun eine Bitte an alle Nichtschweden: Die Teller werden nicht vollgeladen, sondern man holt sich immer kleine frische Portionen. Das Julbord ist also keine Buffetschlacht, sondern ein gemütliches Beisammensein, das sich gerne über Stunden hinziehen kann. Hamstern am Büffet wird in Schweden nicht geschätzt. Merkt dir das.

Zum Start einen Glögg

Nun geht es also los mit der Feier. Am besten startest du einem Glögg, dem schwedischen Glühwein mit Mandeln und Rosinen. Dazu gibt es ein paar knusprige Pepparkakor. Das zusammen schmeckt schon so grandios nach Weihnachten, man kommt richtig in Stimmung. Ich finde es noch schön, wenn man den Glögg draussen im Garten, auf dem Balkon oder der Veranda gereicht bekommt und erst dann in die Warme Stube disloziert. Das Rezept für einen leckeren Glögg habe ich vor einiger Zeit aufgeschrieben. Hier die Infos dazu.

Glögg: Das Rezept für den Wuntertrunk

Bevor wir uns über das Buffet hermachen, sei noch erwähnt, dass je nach Region auch die Speisen unterschiedlich sein können. Nur schon beim Kohl gibt es Unterschiede. Neben dem klassischen Rotkohl „Rödkål“ gibt es in Halland eher „Grönkål“ (Grünkohl) und in Skåne „Brunkål“ (Braunkohl). Alles klar?

Diverse Kohlsorten
Diverse Kohlsorten, je nach Region in Schweden (Foto: Per-Erik Berglund)

Die drei Gänge des Julbords

In der Regel gibt es drei „Gänge“ bei einem Julbord. Man startet mit dem kalten Buffet. Dominant sind die diversen Sorten von eingelegtem Hering (Sil). Hier lassen die Schweden ihrer Fantasie vollen Lauf. Oft gibt es auch Lachs in unterschiedlichen Variationen, wobei sich die Schweden nicht einig sind, ob Lachs dazu gehört oder nicht. Wenn er dabei ist, dann braucht es auch Dill-Senf-Sauce, Meerrettich-Sauce oder Hovmästarsauce (Graved-Lachs-Sauce). Also ich mag Lachs auf jeden Fall.

Ergänzt wird die Fisch-Bescherung mit Krabben zum Schälen oder Krabbensalat. Auch schon habe ich Räucheraal auf so einem Buffet entdeckt. Was nie fehlen darf ist Leberpastete (Leverpastej) und diverser Wurstaufschnitt, Eier und weitere Ergänzungen nach Lust und Laune. Elch und Rentier sind in unterschiedlicher Form auch oft zu finden.

Hier einige Ideen für den ersten Gang.

Ist das kalte Buffet ausgiebig ausprobiert worden, dann wechselt man zu den warmen Speisen. Hier sind natürlich Köttbullar ein Muss, ebenso die Prinskorv, kleine geräucherte Würstchen. Himmlisch ist auch die Janssons frestelse, ein Kartoffelgratin mit Anchovis. Und dann darf der Julskinka (Schinken) mit süssem Senf auf keinen Fall fehlen.

Zu guter Letzt, wenn der Bauch schon prall und die Stimmung toll ist, gibt es noch den Nachtisch. Dieser kann aus Rismalmata (kalter Milchreis) mit Sahne, Vanillezucker und Apfelstückchen bestehen. Oft sieht man auch Lussekatter, Plätzchen, Kuchen oder auch Käse auf dem Tisch. Mann kennt die Schweden ja. Sie sind sehr süss.

Und nun zu den flüssigen Köstlichkeiten

Durst kommt bei dir bei diesen Leckereien sicher auch auf. Speziell an den Festtagen gibt es Julmust (eine Süsse Brühe). Julmust ist ein Limonadengetränk, das hauptsächlich in Schweden verkauft wird. Es ähnelt dem in Deutschland bekannten Malzbier und enthält neben Hopfen und Malz 30 weitere Zutaten.

Hier eine kleine Auswahl an Julmust (Foto: SVT)

In der Abteilung Alkohol ist das süsse, dunkle Julöl (Weihnachtsbier) Trumpf. Zum Fisch trinkt man gerne Aquavit oder einen trockenen Weisswein. Zum Fleisch darf es auch ein Gläschen Rotwein sein. Abgerundet wird die Sause mit Kaffee und einem Schnäpschen (Kaffe me avec).

Du hast es sicher bemerkt. Der Fantasie sind bei so einem Julbord keine Grenzen gesetzt. Pflicht ist Sil (Hering) und der Julskinka. Ansonsten werden regionale und traditionelle Gerichte aufgetischt. Lustig ist auch, wenn jeder Gast selber etwas vorbereitet und mitbringt.

Wenn du jetzt Lust hast selber so ein Julbord zu basteln und du kulinarisch höhere Ansprüche hast, dann empfehle ich dir das Buch „Smörgasbord“ von Gert Klötzke und Niclas Wahlström. Klötzke ist einer der grossen Gastronomen Schwedens und hat einen grossen Anteil am Höhenflug der schwedischen Küche.

Das Buch Smörgasbord umfasst über 200 Rezept (Englisch). (Foto: Andrea Ullius)

THE SWEDISH SMÖRGASBORD
All the original recipes in modern style

Gert Klötzke / Niclas Wahlström
Verlag Bokförlaget Max Ström
ISBN: 978-91-7126-171-7

Ich habe mich mit Gert Klötzke im Sommer 2017 auf Fjäderholm getroffen und mit Ihm über die schwedische Gastronomie gesprochen. Mehr zu dieser faszinierenden Persönlichkeit findest du in meinem Artikel über ihn.

Gert Klötzke und der kulinarische Aufstieg Schwedens

 

Wer einige dieser typischen Spezialitäten auch auf seiner Weihnachtstafel finden möchte, kann sich im Onlineshop Onfos.de mit original schwedischen Produkten eindecken.

 

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Autor des Artikels

Drogist HF, Autor und Blogger. Vom Norden begeistern, am Rest der Welt interessiert. Schreibt vorwiegend in und über Schweden, Skandinavien und die Schweiz. Nach 10 Jahren, Radio-, Fernseh- und Agenturerfahrung habe ich mich aufgemacht, alle Facetten des Reisebloggens und der Content-Produktion kennen zu lernen. Ich schreibe auf www.schwedenhapen.ch und www.ullala.ch.