Im Sommer 2016 haben die Isländer halb Europa mit Defensivfussball zum Wahnsinn getrieben. Aus dem Nichts grassieret plötzlich das Wikingerfieber. Ich beschloss folglich das Fotevikens Museum in Höllviken zu besuchen und an dieser Stelle über Wikinger zu schreiben. In der schwedischen Wikingerhochburg traf ich Björn und lernte einiges über Hägar und Wickie.

Das Wichtigste zuerst: Wikingerhelme haben keine Hörner! Björn M. Buttler Jakobsen, oberster Wikinger im Fotovikens Wikinger Museum, verdreht die Augen wenn er wieder so einen manipulierten Wikingerhelm sieht. „Bei uns im Wikingerdorf bekommt jedes Kind ein Eis, wenn es bei seinem Helm die Hörner entfern“, sagt Björn sehr überzeugend. Er muss es wissen, denn er ist schliesslich Herrscher über das Wikingerdorf Foteviken. Eigentlich ist er Museums Direktor und Wikinger mit Leib und Seele.

Mit Lieb und Seele Wikinger: Björn der Chef von Foteviken (rechts). (Foto Andrea Ullius)
Mit Lieb und Seele Wikinger: Björn der Chef von Fotevikens Museum (rechts). (Foto Andrea Ullius)

Das Freilichtmuseum liegt südlich von Malmö und wurde an einem historischen Ort errichtet, der 1134 Schauplatz einer grossen und grässlichen Wikingerschlacht war. Ich finde dieses Museum grossartig. Man kann hier hautnah erleben, wie die Wikinger früher gelebt haben. Die ganze Szenerie ist so authentisch wie möglich aufgebaut, und im Sommer leben hier reale Menschen, die nach Sitten und Gebräuchen der Vorfahren hausen.

Fotoviken
So authentisch, wie möglich ist das Wikingerdorf aufgebaut. (Foto Andrea Ullius)
Echte Menschen auf Fotevikens

Der Verein, der dieses Wikingerdorf und das dazugehörende Museum betreibt, bietet im Sommer Praktika für Studenten und Jugendliche an, die in vier oder mehr Wochen alles über das Leben der Wikinger erfahren und auch so leben. Regelmässig werden neue Hauser gebaut und das Dorf erweitert. Das Leben läuft wie zu Urzeiten ab: es wird gehandelt, getauscht und am Ende des Tages holt der König seinen Zehntel (oder auch mehr) ab.

Wer sich in so einem Wikingerdorf leben will muss anfänglich untern durch. Die Neulinge müssen sich vom „Sklaven“ hocharbeiten, bevor sie erste Rechte erhalten. Wer schon länger auf Foteviken wohnt, manche Familien kommen schon seit Jahre im Sommer um hier zu leben, der erreicht auch eine höhere gesellschaftliche Stellung. Dabei sollte man aber immer vor Augen halten, dass es sich um ein Spiel handelt.

Die Behausungen zeigen auch die gesellschaftliche Stellung. (Foto Andrea Ullius)
Die Behausungen zeigen auch die gesellschaftliche Stellung. (Foto Andrea Ullius)
Das Leben besteht aus viel Handarbeit

Das Leben auf Foteviken kann hart sein. Speziell das Essen muss man sich hart erarbeiten. Fische werden mittels altertümlicher Methoden gefangen und dann zubereitet. Das Brot wird selbst gebacken und Rahm zu Butter geschlagen. Es versteht sich von selbst, dass das Korn für das Brot zuerst mühsam von Hand gemahlen werden muss. Tiere werden hier keine gejagt, aber wie man aus einer Tierhaut Leder herstellt steht sehr wohl auf der Tagesordnung.

Leder gerben will gelernt sein. (Foto Andrea Ullius)
Leder gerben will gelernt sein. (Foto Andrea Ullius)

Wenn ich die Isländer gerne auch als Sekundärwikinger bezeichne, dann hängt das damit zusammen, dass die Wikinger ursprünglich in Norwegen, Dänemark und Schweden gelebt haben. Vom achten bis zum elften Jahrhundert erfolgte eine Auswanderungswelle von den Skandinavischen Ländern nach Westen und Osten. Die norwegische Kolonie wanderte Richtung England, Faeroer und Island aus, während die Schwedische sich Richtung heutiges Russland aufmachte.

Was bleibt sind spannende Zeitzeugen der Wikinger. Die Begeisterung, die Björn und seine Crew im Freilichtmuseum Fotevikens an den Tag legen ist grossartig. Dank seinem Engagement ist es möglich einen kleinen Einblick in vergangene Tage zu erhalten. In einer schnelllebigen Zeit, wie der unseren, geht solches Wissen sonst allzu schnell vergessen.

Auch Familien mit Kindern leben auf Foteviken. (Foto Andrea Ullius)
Auch Familien mit Kindern leben auf Fotevikens. (Foto Andrea Ullius)

Ein Besuch von Fotevikens Museum ist auch für Familien sehr zu empfehlen. Kinder können Vieles selber ausprobieren und erfahren so Dinge über Werkzeuge und Natur. Das Museum kann von Mai bis September besucht werden. Ausser in der Hochsaison hat Foteviken immer Montag bis Freitag geöffnet. Vom 20 Juni bis 28. August ist auch am Samstag und Sonntag ein Besuch möglich. In der Vorsaison ist das Museum zwar geöffnet, die Hütten jedoch geschlossen und es finden keine Aktivitäten statt. Ein Besuch loht sich aber trotzdem.

Fotevikens Museum
Museivägen 27,
SWE-236 91 Höllviken
www.fotevikensmuseum.se

Trelleborgen ein weiterer Zeitzeuge

Nebst dem Freilichtmuseum Foteviken in Höllviken, ist auch die Telleborgen in Trelleborg ein Vermächtnis der Wikinger. Da ich keine Zeit hatte der Trelleborgen einen Besuch abzustatten, zitiere ich hier Wikipedia:

„Die Trelleborgen wurde in der Wikingerzeit um 980 während der Regierungszeit Harald Blauzahns erbaut. Nach nur etwa 20 Jahren, um das Jahr 1000, wurde die Burg aufgrund der zunehmenden Anzahl der Überfälle der Wenden auf die Gegend verlassen und verfiel in den folgenden Jahrhunderten. Als die Überfälle der Wenden, bedingt durch deren Christianisierung und Unterwerfung Anfang des 13. Jahrhunderts aufhörten, wurde die südschwedische Küste erneut besiedelt. Der Stadtname Trelleborg führt auf diese Zeit zurück, da bei der Wiederbesiedelung noch Reste der Wälle standen. Innerhalb weniger Jahre war der Platz dicht besiedelt. Die Gräben wurden als Abfallgruben zweckentfremdet und die Wälle wurden zum Trockenlegen der Feuchtgebiete östlich der Burg abgetragen. Gegen Ende des 14. Jahrhunderts wurde schließlich auch der alte Burgbereich bebaut, so dass nichts mehr auf die einstige Anlage hindeutete.

Die Trelleborgen (Foto www.spottinghistory.com)
Die Trelleborgen (Foto www.spottinghistory.com)

Ausgrabungen auf dem Gebiet der ehemaligen Burg im Jahr 1988 brachten die Spuren des nördlichen und das westlichen Tores, sowie den Wall- und Grabenabschnitt dazwischen zum Vorschein. Des Weiteren wurde das östliche Tor untersucht, sowie im südöstlichen und südlichen Bereich Teile des Grabens erfasst. Der Rest der Burg befindet sich heutzutage unzugänglich unter den umliegenden Straßen und Häusern. Nach Abschluss der Grabungen wurde bis 1995 das nordwestliche Viertel der Anlage, sowie ein Hof mit Nebengebäuden und ein Fachwerkhaus aus dem 14. Jhd. rekonstruiert.“

Text: Andrea Ullius
Quellen: Foteviken, Wikipedia
Fotos: Andrea Ullius

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