Arvika: Das Wasser und dein Kanu

Die Kanuhochburg in Värmland

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Kanufahren ist wahrscheinlich die stillste Möglichkeit, sich auf dem Wasser fortzubewegen. Beinahe lautlos gleitet man über den See, kann die Umgebung beobachten und ist flexibel genug, überall das Ufer anzusteuern. Die Kanuhochburg in Värmland ist Arvika. Hier betreibt Luc Dodeman seine Kanustation. Bei meinem Besuch hat er mich kurzerhand mit einem Profi in ein Kanu gesteckt.

Im Fokus ist jederzeit die korrekte und umfassende Instruktion der Gäste. (Foto: Andrea Ullius)

(Update Juli 2019) Schweden ist ein Kanuland. Tausende von Seen und Flüssen laden gerade zu ein, sich in so ein wackliges Ding zu setzten und mit der Wasseroberfläche auf Tuchfühlung zu gehen. Also wollte ich das auch erleben. Bis 2016 habe ich nur einmal so ein Gefährt bestiegen und bin damit den Doubs runter gegondelt. Da war das Wasser aber maximal knietief und „seichwarm“, also völlig ungefährlich.

Zu zweit oder in Gruppen macht eine Kanu-Tour besonders Spass. (Foto arvikakanoe.se)
Zu zweit oder in Gruppen macht eine Kanu-Tour besonders Spass. (Foto: arvikakanoe.se)

Über 5000 Kanu Vermietungen

Ich habe mich zum zweiten Mal nach 2016 mit Luc Dodeman in Arvika verabredet. Er betreibt hier seit ungefähr 25 Jahren das Arvika Kanot & Touristcenter. Mit über 5000 Vermietungen pro Saison gehört die Firma zu den grössten in Schweden. Das Team von Luc umfasst 20 Mitarbeitende, unter anderem auch seine Tochter Axellel. Axelle war anfänglich nur in der Saison in Arvika. Unterdessen ist sie aber mit Ihrem Mann und Kind auch nach Värmland disloziert. Wie bereits bei meinem ersten Besuch bei Luc stellte ich fest, dass die Stimmung unter dem ganzen Team super ist. Alle arbeiten tatkräftig mit und sei es Umgebungsarbeiten zu erledigen oder andere Dinge zu erledigen. Da wird der Kanulehrer kurzfristig zum Landschaftsgärtner.

Eine genaue Routenplanung mach Kanu fahren zu einem tollen Erlebnis. (Foto: Andrea Ullius)

Seit meinem ersten Besuch in Arvika hat sich bei Luc einiges getan. Ein neues Gebäude mit Rezeption und Kaffee ist entstanden und die Sanitären Anlagen wurden erweitert. Es ist jetzt möglich, hier zu frühstücken oder einen kleinen Lunch zu sich zu nehmen. Das ganze Gebäude passt sich super in die ganze Anlage ein, und für die Mitarbeitenden von Luc sind die ganzen Abläufe nun viel einfacher.

Das neue Gebäude mit Rezeption und Restaurant (Foto: Andrea Ullius)

Etwa 50 Meter vom Haupthaus entfernt ist das Materiallager. Unglaublich wieviele Dinge hier fein säuberlich einsortiert sind. Die Flotte von Arvika Kanot umfasst über 200 schwimmtüchtige Gefährte. Da braucht es natürlich auch Schwimmwesten, Paddel, Helme und und und. Und es ist zweifellos ein Vorteil, wenn man den Überblick über das Sortiment behält.

Hochbetrieb bei der Materialausgabe. Jeder braucht schliesslich das passende Equipment., (Foto: Andrea Ullius)

Vielfältiges Freizeitangebot

Nebst Kanutouren bietet Arvika Kanot auch Angeltrips, Radtrecking und Firmenevents an. Vor Ort können die Besucher in grossen Tipis auf Rentierfellen übernachten, und die Mutigen kämpfen sich in luftiger Höhe durch den Seilpark. Zur Entspannung nach einer anstrengenden Tour kann man sich dann in der Sauna und den Open Air Badetonnen erholen.

Die Mutigen schlägeln sich durch den coolen Seilpark. (Foto: Andrea Ullius)

Luc erzählt mir, dass für sie zwei Punkte ganz wichtig, sind. Einerseits ist Nachhaltigkeit ein enorm wichtiges Thema für sie, und anderseits soll es den Gästen auf ihren Trips an nichts fehlen. Arvika Kanot vermietet nicht einfach Kanus, sondern kümmert sich auch um die optimale Betreuung der Gäste. Je nach Dauer einer Kanutour, diese kann gut und gerne bis zu einer Woche dauern, wird das Essen in Tonnen verpackt und im Kanu mitgeliefert. Auch Küchenutensilien sind dann dabei. In der Regel ist man mit dem Kanu zu zweit unterwegs. Es hat genug Platz für Rucksack und Utensilien. Da man auf dem Wasser ist und je nach Wellengang auch mal etwas davon ins Boot schwappen kann, sollte man z.B Fotoapparat und Handy, aber auch Ersatzkleider in wasserdichte Beutel verpacken.

Material richtig verstaut, Schwimmwesten an und dann ab auf’s Wasser. (Foto: Andrea Ullius)

Kanu Gäste aus der ganzen Welt

Die Gäste von Arvika Kanot kommen aus vielen verschiedenen Ländern. Und ja nach Land ist auch die Art der Kunden verschieden. „Aus Holland haben wir in erster Linie Familien, die das Abenteuer suchen. Aus Belgien kommen viele Studenten und aus der Schweiz buchen in erster Linie Paare das Kanuvergnügen“, sagt Luc. Sogleich fügt er noch an: „Das mit den Paaren ist eine Herausforderung, denn Kanufahren erfordert Teamwork. Da kann man nicht unterschiedlicher Meinung sein in welche Richtung man jetzt paddeln will.“

Stimmt das Teamwork Kanu, kommt man zügig voran. (Foto: Andrea Ullius)

Bei meinem Besucbh 2016 in Arvika war ich absoluter Kanu-Anfänger. Ich erinnere mich noch sehr gut daran. Es war höchste Zeit ein solches Gefährt zu besteigen. Luc und Axelle liessen sich nicht lumpen, oder wollen mich viellicht auch nur beeindrucken. Als Guide wurde mir Hanna Johansson zur Seite gestellt. Hanna ist jung, blond, folglich Schwedin und jetzt aufgepasst: Mitglied der schwedischen Kajak Nationalmannschaft. Leider war sie dazumal ein paar wenige Tage zu jung, sonst hätte sie sogar an den Olympischen Spielen in Rio teilnehmen können. Dafür hatte sie Zeit, mir mit dem Kanu behilflich zu sein.

Hanna Johansson ist Kajak Champion und weiss den Weg. (Foto Andrea Ullius)
Hanna Johansson ist Kajak Champion und weiss den Weg. (Foto Andrea Ullius)

Kanu ist nicht Kajak

Und dass es gesagt ist: Kanu und Kajak ist nicht das gleiche. Das Kanu ist breiter und man sitzt über dem Wasser, wie bei einem Boot. Das Kajak ist schmaler und man sitzt am Boden „auf dem Wasser“. Kajak ist eher unbequem, Kanu viel friedlicher, aber auch etwas weniger wendig. Das Kajak ist, wie ein tiefer gelegter Sportwagen; das Kanu, wie ein Jeep.

Keine zu klein, ein Kanufan zu sein ;.-) (Foto: Andrea Ullius)

Wir haben also unsere Schwimmwesten montiert, die Paddel ausgesucht (nach Körpergrösse) und dann das doch recht schwere Kanu ins Wasser geschleppt. Hanna war da natürlich sehr routiniert, ich stolperte doch etwas in Zeugs rum. Am Ende war das Teil dann im Wasser und wir im Kanu. Die Tour konnte starten.

Teamwork ist gefragt

Ein Kanu zu steuern ist gar nicht so eifach, wie es aussieht. Paddelt man nicht im Takt, steuert das Ding entweder nach links oder rechts und man kommt von der Strecke ab. Also schön gleichmässig und gleichzeitig, dann geht es zügig voran. Ich glaube, Hanna hat sich etwas Sorgen um mich gemacht. Immer wenn es ein paar Wellen hatte, schaute sie ganz fürsorglich nach hinten, ob ich auch noch im Kanu war. Sehr nett das Mädel.

Alles gut gegangen. Kanufahren macht wirklich Freude. (Foto Andrea Ullius)
Alles gut gegangen. Kanufahren macht wirklich Freude. (Foto Andrea Ullius)

Nach einer kleinen Runde auf dem See schleppten wir unser Kanu wieder an Land. Netterweise putzte Hanna das Gefährt, so dass ich mich noch der Fotografie widmen konnte. Ehrlich, Luc Dodeman und sein Team haben hier in Arvika eine tolle Kanu- und Adventurebasis, und es erstaunt nicht, dass derart viele Leute ihre Angebote in Anspruch nehmen. Die Lage der Anlage ist perfekt direkt am See gelegen und unmittelbar nebenan ist der Campingplatz. Der Transport der Kanus entfällt somit. Ein Besuch bei Luc kann ich jedem nur wärmstens empfehlen.

Arvika Kanot & Touriscenter
Ingestrand
SWE-671 91 Arvika

+46 570-182 45
www.arvikacanoe.se

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Autor des Artikels

Drogist HF, Autor und Blogger. Vom Norden begeistern, am Rest der Welt interessiert. Schreibt vorwiegend in und über Schweden, Skandinavien und die Schweiz. Nach 10 Jahren, Radio-, Fernseh- und Agenturerfahrung habe ich mich aufgemacht, alle Facetten des Reisebloggens und der Content-Produktion kennen zu lernen. Ich schreibe auf www.schwedenhapen.ch und www.ullala.ch.