Im Zentrum von Sörmland, in der Gemeinde Flen, liegt Sparreholm Slott . Das Schloss hat es in sich. Nicht dass ich dort Geister entdeckt hätte, nein im Gegenteil. In Sparreholm wird ein unglaublicher Schatz gebunkert, der fahren, fliegen, tönen, nähen und telefonieren kann. Ich warne jeden, der sich in die Museen des Schlosses begibt. Du bekommst deinen Mund nicht mehr zu.

Schloss Sparreholm liegt prächtig zwischen zwei Buchten am See Båven. Der Båven ist der grösste See, welcher vollständig in Sörmland gelegen ist und lädt zu zahlreichen Aktivitäten ein. Schon die Lage macht das Sparreholm Slott aussergewöhnlich.

Die Gegend von Sparreholm hat eine bewegte Vergangenheit. Bereits 1562 war hier Betrieb. In der bewegten Geschichte von Sparreholm tauchen auch bekannte und legendäre schwedische Familiennamen wie Sparre, Bonde, Taube, De Geer, Wachtmeister und Dickson auf. Das Schloss, so wie es hier steht, wurde im 18. Jahrhundert erbaut. 

Im Jahr 1996 wurde das Schloss zum Verkauf ausgeschrieben und von der jetzigen Besitzerin Anna Karinen und ihrer Familie gekauft. Sie hat das Schloss renoviert und zu einem Konferenzhotel, Museum und Pferdezentrum umfunktioniert.

Sparreholm Slott

Ich gehe mal davon aus, dass du in deinem Urlaub in Schweden nicht unbedingt an Meetings und Konferenzen interessiert bist. Deshalb streife ich diesen Teil nur kurz. Zum Essen bietet Schloss Sparreholm Platz für ca. 70 Personen. Übernachtungsmöglichkeiten hat es für 50 Leute. Die Anlage umfasst das Schloss und das Pferdezentrum, welches ein paar hundert Meter entfernt ist. 

Der Grund, weshalb ich ganz bestimmt wieder zum Sparreholm Slott reisen werde, ist das Museum. Eigentlich sind es ja zwei, oder drei, oder vier. Und ganz wichtig: rechne genug Zeit ein, denn eine Stunde hier reicht nie im Leben, um alle Kostbarkeiten zu sehen. 

Das Automobilmuseum ist unglaublich. Es zeigt die Entwicklung ab den späten 19. Jahrhundert bis heute. Über 60 Autos stehen in Reih und Glied und lassen das Herz jedes Oldtimerfans höher schlagen. Die Veteranen sind auf Hochglanz poliert, darunter auch ein Mercedes 540K aus dem Jahr 1936, der dem Prinzen Gustav Adolf gehörte. Highlight ist aber zweifellos der Cadillac V8 aus dem Jahre 1939. Mit ihm kurvte König Gustav V. in der Gegend rum. Einmal kriegte er die Kurve nicht und landete im Strassengraben. Der Name des Unglücksorts erinnert noch heute an diese Begebenheit: „Kungens kurva“, also die „Kurve des Königs“. Heute liegt dort an der E4 im Süden von Stockholm ein grosses Einkaufszentrum, u. a. mit IKEA.

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Nebst all den Vehikeln aus vergangenen Tagen kann man an der Decke eine Vielzahl von Modellflugzeugen bestaunen. Weiter ist das Lokal mit hunderten von Modellautos ausstaffiert und viele spannende Emailschilder von Tankstellen usw. verblüffen den Besucher. 

Nach der Besichtigung des Automobilmuseums war ich schon ziemlich zufrieden, unser Guide drängte jedoch unbedingt noch einen Blick in das Jukebox Museum zu werfen. Dieses befindet sich in der oberen Etage der Remise, wo auch das Sommerkaffee ist. Nun hat der Besuch dieses Jukebox Museums einen Haken. Zuerst muss man durch das Kutschenmuseum. Hier findet ihr eine Sammlung die von 1700 bis ins Jahr 1940 reicht. Viele Trouvaillen von Kutschen, Schlitten und Zubehör sind zu sehen. 

Dann geht es weiter zu den Fahrrädern. Auch hier alles dabei, was die Fahrradtechnik in den letzten Jahrhunderten zu bieten hat. Ja, ja es hat auch Motorräder. Ich sage ja, ihr braucht Zeit. 

So und dann geht es endlich langsam Richtung oberer Stock. Doch zuerst trifft man auf antike Nähmaschinen, eine komplette Sammlung von Telefonen und Handys und weiterem Krimskrams. Dann endlich Musik. Ich kämpfe mich an Musikdosen und Grammophonen vorbei und endlich stehe ich staunend vor der grössten Jukebox Sammlung Europas. Da ist vollzählig dabei, was in den letzten Jahrzehnten die Leute zum Tanzen und Schunkeln gebracht hat. Schaut euch einfach die Bilder an, die sagen mehr als tausend Worte.

Die Museen sind in der Regel von Ende Juni bis Mitte August täglich geöffnet. Von Mai bis Ende Juli und von Mitte August bis Ende Oktober werden die Museen für Gruppen geöffnet. Die genauen Zeiten sind auf der Webseite von Sparreholm Slott zu finden.

Eine tolle Sache ist auch das Reitzentrum, das dem Schloss Sparreholm angegliedert ist und sich nur ein paar hundert Meter entfernt befindet. Das Reitzentrum befasst sich mit der klassischen Reitschule und bietet sowohl Unterricht, Wochenendkurse und Reitpakete mit voller Unterkunft an. Es ist möglich mit seinem eigenen Pferd anzureisen oder vor Ort einen der gut ausgebildeten Lusitanos zu „mieten“. Mentor und Trainer im Reitzentrum ist Meister Manuel de Oliveira.

Ein Besuch auf Sparreholm Slott ist sehr zu empfehlen. Die Menschen vor Ort betreiben die Anlagen mit viel Engagement und Leidenschaft. Und damit es nochmals gesagt ist: Nehmt Zeit mit und stöbert in all den Museen rum. Es gibt dort Dinge zu entdecken, die ihr nie mehr im Leben sehen werdet. Ausser ihr besucht Sparreholms Slott wieder.

www.sparreholmsslott.com

Text: Andrea Ullius
Fotos: Andrea Ullius / Sparreholm Slott