Die Hexenjagd in Schweden ist ein sehr dunkles Kapitel. Das war mir so gar nicht bewusst, bis ich Nyhuus Anders Bälter aus Mora kennengelernt habe. Anders ist ein Nachfahre von Gyris Marit Ersdotter, die der Hexerei bezichtigt wurde und im Kerker verstarb. Heute nehme ich euch mit in eine Zeit, die problemlos auf dem Scheiterhaufen enden konnte, ohne je etwas Falsches getan zu haben. Wer nun denkt, «das war ja früher», dem sage ich: «die modernen Hexenjagden finden heute in den Medien und in der Politik statt». (Titelbild: KI Symbolbild)

Ich sitze bei Nyhuus Anders Bälter in Mora in der Küche. Seine Frau Karin hat Kaffee aufgesetzt und serviert eine «komplette» Fika, und der Nachfahre einer berühmten Hexe überreicht mir ein Dossier mit vielen Informationen aus dem Internet, die er zusammengetragen hat.

«Es war eine Zeit, in der im dunklen Schatten der skandinavischen Wälder ein flackerndes Licht aufleuchten konnte: das Licht eines Scheiterhaufens», erzählt Anders mit einer Stimme, die sowohl Nachdenklichkeit als auch ein gewisses Grauen ausstrahlt. Im 17. Jahrhundert überkam eine Welle der Furcht und des Aberglaubens Schweden. Es war eine Zeit, die als «Det stora oväsendet» (der grosse Lärm) in die Geschichte einging.
Wenn wir darüber nachdenken, wie sich Angst und Aberglauben damals durch die Täler und zu den Höfen bewegten, spüren wir fast die Kälte des Herbstwinds, der durch die Bäume rauscht. Die Menschen hielten sich an ihren Überzeugungen fest, suchten nach Antworten in einer Welt, die oft unberechenbar und dunkel erschien. Vielleicht hat der Bauer in der kleinen Hütte am Waldesrand das Gänsehautgefühl verspürt, als nachts die Geschichten um das Feuer erzählt wurden. Geschichten von Hexen und Geistern, die in der Dunkelheit lebten.

Diese Ängste waren nicht nur Worte, sie hatten ein Gewicht, sie beeinflussten das tägliche Leben, die Entscheidungen und selbst die Gemeinschaften. Freundschaften wurden auf die Probe gestellt, Nachbarn wurden misstrauisch, als das Unbekannte an die Türen klopfte. So wird die Geschichte lebendig, wenn wir zulassen, dass sie uns berührt. Erinnerungen an schattige Wälder, geheimnisvolle Geräusche und das leise Flüstern einer anderen Zeit durchdringen die Erzählung.
In solch einem Kontext wird Geschichte nicht nur erzählt, sie wird erlebt. Vielleicht gibt es Momente in unserem eigenen Leben, in denen wir uns dieser Art schleichender Angst gegenübersehen. In denen wir uns fragen, was im Unbekannten auf uns wartet. Diese Verbindungen zwischen Vergangenheit und Gegenwart, zwischen den Ängsten unserer Vorfahren und den Herausforderungen, denen wir heute gegenüberstehen, machen unsere Auseinandersetzung mit der Geschichte umso bedeutungsvoller.
Eine Reise in die Vergangenheit
Allein zwischen 1668 und 1676 wurden in ganz Schweden rund 280 Menschen der Hexerei beschuldigt und hingerichtet. Total waren es über 400 Menschen, die «ermordet» wurden. Es war eine Zeit, in der die Angst vor dem Unbekannten die Gesellschaft fest im Griff hatte. Plötzlich schien es, als ob Dämonen und Hexen unter den Menschen wandelten. Dieser schauriger Gedanke, veränderte nicht nur das Leben vieler Menschen, sondern belastete auch die Herzen der Bürger.
In diesem Artikel möchte ich dich auf eine Reise in diese bewegte Zeit der Hexenverfolgungen mitnehmen. Wir besuchen Orte wie Älvdalen und Mora in der Provinz Dalarna und reisen bis hoch nach Ångermanland, wo das Feuer der Scheiterhaufen am hellsten brannte. Bei meiner Recherche habe ich nicht nur die nackten Fakten betrachtet, sondern auch die Geschichten und Schicksale entdeckt, die sich hinter den trockenen Urkunden verbergen. Nyhuus Anders Bälter hat mir dabei viele überlieferte Anekdoten erzählt.
«Stell dir vor, wie es gewesen sein muss, als Nachbarn zu Feinden wurden, als Misstrauen und Paranoia die Luft erfüllten. Die Menschen waren davon überzeugt, dass dunkle Mächte unter ihnen walten, und die kleinsten Unstimmigkeiten konnten jemandes Leben kosten», sagt Anders nachdenklich.
Heutzutage erinnern Denkmäler und Museen an diese düstere Epoche. Sie stehen als Mahnmale, die uns einladen, die Vergangenheit zu verstehen und aus ihr zu lernen. Wenn du die Möglichkeit hast, einen dieser Orte zu besuchen, wirst du nicht nur die Geschichte hautnah erleben, sondern auch spüren, wie wichtig es ist, die Lehren aus der Vergangenheit im Herzen zu tragen.
Glaube, Gesetz und Aberglaube im 17. Jahrhundert
Schwedens Umgang mit Hexerei war lange Zeit vergleichsweise mild gewesen. Während in Mitteleuropa bereits seit dem späten Mittelalter unzählige Hexenprozesse stattfanden, blieben solche Fälle in Schweden bis ins 17. Jahrhundert hinein selten. In den mittelalterlichen Gesetzen war Zauberei zwar unter Strafe gestellt, jedoch meist nur dann mit dem Tode bedroht, wenn durch Magie tatsächlich jemand zu Schaden gekommen war. Noch um 1600 galt die Hexerei in Schweden als Randproblem. Doch dann wurde alles anders. Die Hexenverbrennungen in Schweden begannen.
Die ideologischen Grundlagen für Hexenverfolgungen waren schon früher vorhanden. «Eine Zauberin sollst du nicht am Leben lassen» heisst es in der Bibel (2. Mose 22:18). Das waren Worte, die im streng lutherischen Schweden des 17. Jahrhunderts wörtlich genommen wurden. Die schwedischen Gerichte urteilten noch am Ende des 1500. Jahrhunderts «nach der Bibel». Das bedeutete: Umgang mit dem Teufel war ein todeswürdiges Verbrechen. Zwei Arten von Schuld verschmolzen in den Hexereiprozessen zu einem einzigen «Teufelsverrat». Zum einen maleficium, die schädigende Zauberei gegen Mensch und Vieh, und zum anderen Ketzerei, also der Abfall von Gott und ein Pakt mit dem Teufel. In den Augen der damaligen Gesellschaft war eine «Hexe» somit nicht nur eine Verbrecherin, die Unheil anrichtete, sondern vor allem eine Sünderin, die ihre Seele dem Satan verschrieben hatte.

Die schwedische Kirche und weltliche Obrigkeit sahen sich im 17. Jahrhundert als Bollwerk gegen das Böse. Prediger warnten vor dem Teufel und seinen Helfershelfern auf Erden. In den 1660er Jahren, unter der Regentschaft des jungen Königs Karl XI., wuchs ein Klima strenggläubiger Moral. Als schliesslich Gerüchte von Hexerei aufkamen, fiel der Verdacht auf ohnehin randständige Personen. Meist waren es Frauen, oft aus ärmeren Schichten oder mit besonderem Wissen um Kräuter und Heilkunst. Was mit Misstrauen und Getuschel in Dörfern begann, entwickelte sich bald zu einer flammenden Hysterie. Das Ganze wurde geschürt durch kindliche Zeugenaussagen und legitimiert durch Bibel und Gesetz.
Der Funke, der die Hexenjagd in Schweden entzündete
Im Sommer 1668 geriet das beschauliche Älvdalen in Dalarna zum Ausgangspunkt einer beispiellosen Hexenjagd in Schweden. Alles begann mit zwei Kindern auf einer Weide: der elfjährigen Gertrud Svensdotter und dem jüngeren Mats Nilsson. Die beiden hüteten am Ostufer des Österdalälven Ziegen, als ein Streit entbrannte. Gertrud versohlte dem kleineren Mats den Hintern, und in dem Durcheinander liefen einige der Ziegen über den Fluss davon. Um sie zurückzuholen, überquerte Gertrud, so berichtete es Mats später, den Fluss auf wundersame Weise. «Sie sei übers Wasser gegangen», sagte er. Was als kindliche Rachebehauptung begann («Vielleicht tat er es nur, um sich an Gertrud zu rächen», mutmasst ein moderner Bericht), sollte fatale Folgen haben.

Mats Vater erzählte dem Pfarrer von Älvdalen, Lars Elvius, vom Vorfall. Elvius ging der Sache nach. Man stellte Gertrud zur Rede, die anfangs alles abstritt. Doch das Misstrauen wuchs. Es vergingen Monate, immer wieder wurde das Mädchen vom Pastor und vom herbeigerufenen Amtsmann (dem Länsman) der Region verhört. Schliesslich, nach hartnäckigen Befragungen und sicherlich nicht ohne Angst, «gestand» Gertrud im Frühjahr 1668 das Unglaubliche. Ja, sie sei mit Hilfe des Teufels über den Fluss gegangen. Eine rote Salbe habe der Teufel ihr gegeben, mit der konnte sie übers Wasser laufen. Und mehr noch. Sie gab an, auf einem Hexensabbat in Blåkulla, dem sagenumwobenen «Blocksbärg», gewesen zu sein, wo der Teufel seine Feste feiere. Dort habe sie Kühe gestohlen und gemolken, sei durch den Schornstein geflogen und vom Satan persönlich in seine Dienste genommen worden. Vor allem aber nannte Gertrud den Namen Märet Jonsdotter. Die Magd auf einem Nachbarhof habe sie ins Hexenhandwerk eingeführt. Diese Märet, im Volksmund «Stor-Märit» genannt, wurde damit zur ersten Beschuldigten der neuen Hexenjagd in Schweden.
Hexenjagd gerät ausser Kontrolle
Die Anschuldigungen breiteten sich in der kleinen Gemeinde Älvdalen aus wie ein Lauffeuer. Als Gertrud und einige andere Kinder intensiv von ihren «magischen» Fähigkeiten berichteten, glaubten viele, ein geheimes Hexennetzwerk aufgedeckt zu haben. Im September 1668 begann in Älvdalen offiziell der Hexenprozess gegen Märet Jonsdotter und weitere Verdächtige. Rund 30 Personen wurden ins Visier genommen. Die Dorfbewohner, die vielleicht schon lange über die besonderen Frauen in ihrem Umfeld geflüstert hatten, begannen, in jeder kleineren Unregelmässigkeit Teufelswerk zu sehen. Es war eine Zeit, in der das Misstrauen wie ein Schatten über den Dörfern lag. Besonders für Gertrud, die ursprünglich aus dem benachbarten Lillhärdal in Härjedalen stammte, hatte es fatale Folgen. Nun gerieten auch dort Menschen unter Verdacht, und wenig später wurden auch in Lillhärdal Hexenprozesse angestrengt. Am Ende wurden dort rund neun Personen als Hexen verurteilt.

Die Berichte vom Pfarrer in Älvdalen an seine Vorgesetzten waren erschütternd. Er schrieb darüber, dass trotz der Verhaftungen die «Hexen» weiter ungehindert ihrem vermeintlichen Unheil nachgingen: «Sie fahren doch zum Blocksbärg auf des Pfarrers Kühen, verderben die Tiere guter Leute … keiner weiss, wann sie fort sind oder wiederkommen». Diese Aussagen schürten die Angst unter den Dorfbewohnern ins Unermessliche.
Im Frühjahr 1669 erreichte die Verfolgungswelle ihren Höhepunkt. Während die Bauern von den Frühjahrsfeldarbeiten zurückkehrten, wurde ein ausserordentliches Gericht einberufen. Dreissig Angeklagte standen vor Gericht, und die Urteile waren grausam. Achtzehn von ihnen, fast ausschließlich Frauen, wurden zum Tode verurteilt. Darunter befand sich auch eine alte Magd namens Gyris Marit Ersdotter, besser bekannt als Gyris-Marit. Sie war über 79 Jahre alt und galt als eine Art Stammmutter der «Gyris-Sippe», einer Familie, denen geheimnisvolle Kenntnisse nachgesagt wurden. Und gerade sie war die Ahnin von Nyhuus Anders Bälter, der mich mit seinen Geschichten fesselt. «Gyris Marit Ersdotter wurde bereits 1668 verhaftet und erlebte die grauenhaften Qualen der Untersuchungshaft. Bevor das Urteil vollstreckt werden konnte, starb die alte Frau jedoch im Kerker von Falun Anfang Januar 1669», erzählt Anders.
Doch selbst ihr tragischer Tod nahm den Verfolgern nicht die Angst. Man glaubte, dass Gyris Marit Ersdotter sogar nach ihrem Tod Unheil stiften könnte. Nach einem langem Zögern wurde ihre Leiche schliesslich aus dem Gefängnis geholt und als warnendes Beispiel öffentlich auf dem Marktplatz von Falun ausgestellt. Letztlich brachte man ihre Überreste zurück nach Älvdalen, an einen abgelegenen Ort namens Märbäck, wo sie auf einem Scheiterhaufen verbrannt wurde. So gross war die Furcht vor ihrem «Wissen», dass man selbst eine Verstorbene nicht in Frieden ruhen liess.
Die anderen Verurteilten aus Älvdalen erlebten im Mai 1669 ein ähnliches Schicksal. Am 19. Mai wurden sechs Frauen und ein Mann auf dem Schafott enthauptet, ihre Leichname anschliessend verbrannt. Dieses grausame Ritual war Teil der schwedischen Praxis: Erst das Köpfen, dann das Verbrennen. Die Auffassung war klar: sicher ist sicher. Anders als in Deutschland oder Frankreich, wo Hexen oft lebendig verbrannt wurden, war die Enthauptung in Schweden die vorgeschriebene Hinrichtungsart für die als schuldig erachteten. Der Scheiterhaufen diente nicht nur zur Vernichtung der Körper, sondern auch zur «Reinigung» der Welt von der teuflischen Substanz. In Älvdalen loderten nun die Feuer, und ihr Rauch kündigte von der Katastrophe, die erst begann.

Anders Bälter fasst diese Zeiten eindrucksvoll zusammen: «Je wichtiger oder gefährlicher die Hexe war, desto sichtbarer mussten die Scheiterhaufen für die Bevölkerung aufgestellt werden. Die Menschen sollten das Lodern des Feuers sehen.»
Hexenpanik am Siljansee
Die Nachricht von den Enthüllungen und Hinrichtungen in Älvdalen verbreitete sich rasch in benachbarte Gemeinden. Bald erzählten sich die Leute in ganz Dalarna schauerliche Geschichten von Hexen, die Kinder entführen, um sie dem Teufel auszuliefern. In den Kirchen fragten besorgte Eltern die Pfarrer, ob ihre eigenen Kinder in Gefahr seien, und forderten Ermittlungen. So schwappte die Welle der Hexenjagd noch im Jahr 1669 weiter nach Süden bis in die Gegend der Stadt Mora am Siljansee.
Mora war ein lebhaftes Gemeinwesen, und doch hatte es in mancher Hinsicht mehr Gemeinsamkeiten mit dem abgelegenen Älvdalen, als man auf den ersten Blick vermuten würde. Wir schreiben März 1669, und während die ersten Frühlingsblüten zu spriessen beginnen, ertönen plötzlich die düsteren Klänge von Verhaftungen. Es gab Berichte von Kindern, die entsetzt behaupteten, in einer schaurigen Nacht von Nachbarsfrauen auf Besen und Ziegen nach Blåkulla entführt worden zu sein.
Die Vorstellung allein lässt die Menschen frösteln, und so endeten schliesslich 60 Menschen in Mora unter dem Schatten des Hexenprozesses. Der örtliche Pfarrer und die Beamten standen unter dem Druck, Antworten zu finden, und so verhörten sie Männer, Frauen und selbst kleine Kinder. Wenn nötig, setzten sie auch Folter ein, eine schockierende Tatsache, die auch die kühnsten unter uns zum Nachdenken bringt.
Nyhuus Anders Bälter, erzählt mir eine äusserst bemerkenswerte Geschichte: «Plötzlich trat in Mora eine neue Figur auf: der Visgosse. Diese Jungen, meist zwischen 9 und 15 Jahren, wurden als besonders «hellsichtig» angesehen. Sie waren die selbsternannten «weisen Knaben» und behaupteten Hexem am Kircheneingang erkennen zu können. An Sonntagen beobachteten sie die Kirchgänger mit wachsamen Augen. Wenn eines der Kinder einen Erwachsenen als Hexe bezeichnete, war dessen Schicksal oft besiegelt.»

Im Juni 1669 kam es in Mora zum grossen Prozess. Das Bild, das sich dort bot, war mehr als dramatisch. Reihenweise angeklagte Frauen standen vor Gericht, während die anwesenden Kinder mit tränenüberströmten Gesichtern erzählten, wie ihre Mütter nachts kamen, um sie in schreckliche Abenteuer zu entführen. Diese kleinen Stimmen, erfüllt von Angst und Schrecken, schilderten mit wild funkelnden Augen die merkwürdigen Dinge, die sie auf Blåkulla erlebt hatten. Dort, so erzählten sie, sei Satan höchstpersönlich erschienen und hätte ihnen neue Namen gegeben, als wären sie Teil einer düsteren Geschichte.
Die Kinder berichteten von Hexen, die ganze Gruppen von bis zu 15 Kindern mit sich auf den Blocksberg nahmen. Eines der gruseligsten Details war, dass sie sich angeblich an einem langen Pfahl festgebunden hatten. Ziegen oder Kühe waren die treuen Begleiter auf diesem schaurigen Ritt. Je absurder die Dinge, desto glaubhafter schienen sie damals. Bei Rückblicken auf diese Ereignisse denken wir oft: Wie konnte so etwas nur ernst genommen werden? Doch in jener Zeit waren die Richter überzeugt von der Wahrheit dieser Erzählungen.
Was die Vorwürfe weiter anheizte, waren die sogenannten «Satanmale». Eine Angeklagte hatte angeblich ein Zeichen des Teufels an ihrem Finger, bei einer anderen war man fest davon überzeugt, dass sie auf Blåkulla in Gesellschaft von fremden Mädchen gesehen wurde, Mädchen, die sie in der Realität nie getroffen hatte, aber auf dem Blocksberg wiedererkannte. Solche vermeintlichen Beweise genügten, um selbst die überzeugtesten Leugnerinnen in die Enge zu treiben.
Wenn selbst die Richter Zweifel haben
Am 23. August 1669, an einem Tag, der die Geschichtsbücher erschüttern sollte, fällte das Gericht in Mora ein Urteil, das für viele wie ein Schatten über ihre Leben fiel. 21 Frauen und 2 Männer wurden wegen Teufelsbuhlschaft und Hexerei zum Tode verurteilt. Doch während wir die düstere Atmosphäre dieser Zeit betrachten, bleibt ein kleiner Lichtstrahl: Nicht alle Urteile wurden sofort vollstreckt. Stellt euch vor, unter den Verurteilten waren auch halbe Kinder. Diese Jüngsten, die gerade erst das Leben entdeckten, wurden später vom königlichen Svea hovrätt (Berufungsgericht) verschont.
Es ist erschütternd zu wissen, dass sechs weitere Angeklagte bis zu ihrem letzten Atemzug ihre Unschuld beteuerten. Ihnen wurde eine bedingte Todesstrafe auferlegt. Das Gericht schien auf eine bizarre Weise zu hoffen, dass sie am Hinrichtungsplatz «ihr Gewissen erleichtern» und ein Geständnis ablegen würden.
Ein bemerkenswerter Akt des Mutes kam von einer jungen Frau namens Marit Matsdotter, lediglich 18 Jahre alt. Trotz aller Qualen hielt sie stand und wurde letztendlich freigesprochen. Für die meisten anderen jedoch gab es kein Entrinnen. Am nächsten Tag wurden 16 Frauen und ein Mann aus Mora hingerichtet. Ihre Köpfe wurden von ihren Körpern getrennt, bevor diese dann auf der Sandbank Sandängarna am Fluss Österdalälven verbrannt wurden. Ihre Asche wurde dem Fluss anvertraut, als wolle man jede Erinnerung auslöschen.
Die Nachricht von den «Hexenbränden von Mora» verbreitete sich wie ein Lauffeuer weit über Dalarna hinaus. Es ist kaum zu fassen, wie ein Kupferstich, den ein deutscher Verleger 1670 von dieser schrecklichen Szene anfertigte, Europa in Aufruhr versetzte. Das Bild zeigte die Hexen, wie sie in der deutschen Vorstellung, lebendig ins Feuer getrieben wurden. Obwohl dies nicht der schwedischen Realität entsprach, wo die Verurteilten vor dem Verbrennen getötet wurden, war das Bild zu reisserisch, um auf Genauigkeit zu setzen.
Diese verzerrte Darstellung prägte das Bild von schwedischen Hexenprozessen im Ausland und beeinflusste sogar die Puritaner in Neuengland, kurz bevor es 1692 in Salem zu ähnlichen Hexenverfolgungen kam. So wird Mora nicht nur als Ort eines schmerzhaften Kapitels der Schwedischen Geschichte erinnert, sondern als Synonym für eine gespenstische Hexenpanik. Und das war erst der Anfang eines weitaus grösseren Unwesens.
Von Dalarna bis Ångermanland die Hexenjagd in Schweden geht weiter
Die Ereignisse in Dalarna waren der Funke, der ein Feuer entfachte, das nicht mehr zu löschen war. Die Angst und die Gerüchte flogen schneller durch das Land als jede Postkutsche. Von Kirche zu Kirche hörte man eindringliche Warnungen, dass Hexen Kinder rauben und Seelen an den Teufel verkaufen würden. Es ist fast so, als hätte das Unheil ein eigenes Leben entwickelt.
Bald meldeten sich auch aus den entferntesten Winkeln des Landes ähnliche Berichte. So sprang die Hexenhysterie wie ein Lauffeuer ins benachbarte Gästrikland über, wo in der Stadt Gävle ebenfalls Prozesse geführt wurden. Auch in Hälsingland und an der Küste nördlich von Stockholm flammte das Hexenfeuer auf. Überall erzählten Kinder die gleichen Geschichten, überall wurden Nachbarn verdächtigt. Es war, als ob ein unsichtbares Drehbuch die Menschen in seinen Bann zog: Das «Trollenwesen», wie man es in Schweden nannte, schlich sich in die Vorstellungen der Menschen und verbreitete sich wie eine Seuche.
Im Jahr 1674 war die Welle schliesslich in Ångermanland angekommen, wo in den ländlichen Pastoraten rund um Torsåker das blutigste Kapitel dieser Verfolgung begann. Der junge Geistliche Laurentius Hornaeus, frisch zum Adjunktpfarrer ernannt, erhielt vom Ortspropst Johannes Wattrangius den Befehl «alle Hexen im Pastorat auszurotten».
Man kann sich gut vorstellen, wie Hornaeus, voller Eifer und Überzeugung, sich als ein auserwählter Kämpfer gegen das Böse sah. Für ihn waren die Hexen nichts weniger als Werkzeuge des Teufels. Mit unerbittlichem Eifer machte er sich daran, ein Fünftel aller Frauen seiner Gemeinde als Hexen zu überführen.
In Torsåker wurde die Hysterie von Hornaeus und seinen Mitstreitern auf die Spitze getrieben. Kinder, darunter die eigenen Söhne und Töchter der beschuldigten Frauen, wurden als Hauptbelastungszeugen eingesetzt. Sie mussten gruselige Aussagen machen, die oft durch Suggestion oder Gewalt erzwungen wurden. Die Zeugenaussagen klangen ähnlich wie die aus Dalarna: Flüge nach Blåkulla, teuflische Tänze, höllische Gelage. Die Kinder übertrumpften sich gegenseitig mit immer skurrileren Geschichten, in der Hoffnung, die Erwachsenen zu beeindrucken.

Erwachsenene Zeugen wurden gefoltert, um die «passende» Geschichte zu erpressen. Nichts wurde unversucht gelassen, damit Geständnisse erzielt werden konnten. «Besonders perfid war die berüchtigte Wasserprobe», beginnt Nyhuus Anders Bälter zu erzählen und fährt fort «Man fesselte die vermeintlichen Hexen und warf sie ins kalte Wasser eines Flusses. Wenn sie sanken und ertranken, waren sie unschuldig. Schwammen sie oben, wurden sie als vom Teufel getragen und verurteilt.» Diese unmenschliche Prozedur zeigt, wie sehr der Aberglaube die Vernunft überwältigte.
Im Frühjahr 1675 erreichte der Hexenwahn seinen schrecklichen Höhepunkt. Eine eigens aus Stockholm entsandte «Trolldomskommission», eine Kommission zur Hexenverfolgung, reiste in den Norden, um die zahllosen Anklagen zu überprüfen und Urteile zu fällen.
Zusammengestellt aus hochrangigen Juristen und Geistlichen, geleitet vom Gouverneur Carl Sparre, machte sich das Team ans Werk. Was danach geschah, stellt bis heute die grösste Massenhinrichtung in der schwedischen Geschichte dar: Am 1. Juni 1675 wurden in Torsåker 65 Frauen, 2 Männer und 4 Jungen gleichzeitig hingerichtet.
Die Verurteilten, tatsächlich etwa 20% der weiblichen Bevölkerung, mussten nach der Urteilsverkündung zur Torsåker Kirche gehen. Dort hielt Pastor Hornaeus eine Strafpredigt, bevor man die 69 Gefangenen zum sogenannten Häxberget (Hexenberg) führte.
Auf diesem kahlen Hügel, auch als Bålberget bekannt, mussten sie knien. Man schlug ihnen nacheinander die Köpfe ab und warf die Leichname ins vorbereitete Feuer. An diesem Tag verschwanden 71 Menschenleben (nach einigen Quellen waren es 65 Frauen und 6 Männer) aus dieser Welt.
Was in Mora und Älvdalen bereits schrecklich war, wurde hier zum Massenmord. Zeitgenössische Berichte sprachen von einem «Leichenberg in Flammen» und von weinenden Kindern, die zusehen mussten, wie ihre Mütter starben. Hornaeus notierte später ohne jedes Mitgefühl, dass er «das Werk des Herrn getan» hatte.
Torsåker markierte den grauenvollsten Höhepunkt. Doch auch anderswo starben im Jahr 1675 weitere Menschen auf ähnliche Weise. Allein in diesem einen Jahr wurden mindestens 110 Personen in Nordschweden hingerichtet, die meisten in Ångermanland und im benachbarten Gästrikland.
Das Ende der Hexenjagd in Schweden und zaghafte Vernunft
So plötzlich und intensiv wie die Hexenverfolgung in Schweden aufflammt, so abrupt erlosch sie auch wieder. Im Jahr 1676 fanden in Stockholm, genauer im Stadtteil Katarina, die letzten Prozesse dieser grausamen Welle statt. Es war ein denkwürdiger Moment, als ein kleiner Junge, der zuvor Hexen beschuldigt hatte, plötzlich in Tränen ausbrach. Er gestand, alles erfunden zu haben. Dieses Kindesgeständnis schockte die Obrigkeit und liess so manchen Geistlichen und Offiziellen über ihre Taten nachdenken. Hatten die grausamen Geschichten tatsächlich einen wahren Kern? In Stockholm begann man, die Aussagen der Kinder systematisch zu hinterfragen.
Und tatsächlich: Es stellte sich heraus, dass viele dieser sogenannten «Visgossar» von Erwachsenen angestiftet oder mit verlockenden Versprechungen in die Irre geführt worden waren. Tragischerweise wurden einige der eifrigsten Denunzianten nun selbst mit Stockhieben oder Gefängnis bestraft, um ihnen deutlich zu machen, dass Lügen kein Spiel war.
Im Herbst 1676 kam König Karl XI. schliesslich ins Spiel und zog die berühmte Reissleine. Er löste die Hexenkommissionen auf und verbot Hinrichtungen ohne sein ausdrückliches Einverständnis. Ein mutiger Schritt, der schliesslich dazu führte, dass die Gerichte angehalten wurden, zukünftige Fälle von Hexerei mit einer gesunden Portion Skepsis zu betrachten.
Diese Intervention war nicht nur notwendig, sie war auch von tiefem Mitgefühl geprägt, denn wer konnte ertragen, dass vielleicht Dutzende Unschuldige ihr Leben verloren hatten? So endete das grosse Unwesen, und die öffentliche Hexenjagd in Schweden fand ihr Ende. Nur vereinzelt kam es später noch zu Prozessen, der letzte Fall im Jahre 1704, als in Stockholm eine Frau wegen Zauberei hingerichtet wurde. Doch schon 1779 verschwand der hexenverfolgende Paragraph endgültig aus dem schwedischen Gesetzbuch.
Ein besonders makabres Detail markierte das tragische Ende dieser Verfolgungswelle. Am 5. August 1676 wurden in Stockholm-Katarina zwei Frauen hingerichtet, Malin Matsdotter und Anna Simonsdotter Hack. Malin, die unter dem Spitznamen «Rumpare-Malin» bekannt war, verweigerte bis zum Schluss jedes Geständnis. Sie galt als unbelehrbar und musste die grausame Strafe erdulden, bei lebendigem Leib verbrannt zu werden.
Diese Art der Hinrichtung war in Schweden einzigartig. Anders als üblich, wurde sie nicht zuerst enthauptet, sondern musste bei vollem Bewusstsein ins Feuer treten. Sie starb in schrecklichen Qualen, doch der stille Widerstand, den sie zeigte, beeindruckte die Zuschauer tief. Tysk-Annika hingegen wurde «gnädigerweise» enthauptet und dann verbrannt. Mit diesem grausigen Schauspiel fand die grosse schwedische Hexenjagd ihr blutiges Finale, das die extremen Brutalitäten und die Verblendung jener Jahre noch einmal unterstrich. Danach wollte niemand mehr Hexenprozesse sehen. Man hatte genug vom Blutvergiessen im Namen Gottes und verspürte vermutlich ein tiefes Gefühl der Scham und Erschütterung.
Langsam begann die Gesellschaft, das Erlebte aufzuarbeiten. Einige der überlebenden Angeklagten kehrten, gebrochene Menschen, aus den Kerkern in ihre Dörfer zurück. Denunzianten und falsche Zeugen, besonders Erwachsene, wurden nun selbst vor Gericht gestellt. Dieser Wandel in der Denkweise war spürbar. Die Hexe war nicht mehr das Monster, sondern immer öfter erkannte man, dass es oft hysterische Verleumdungen und Aberglaube waren, die die wahren Übeltäter waren. Natürlich sollte es noch lange dauern, bis Volksglaube und die Furcht vor Magie verschwanden. Doch nie wieder erlebte Schweden eine derartige Massenhysterie. Aus diesem dunklen Kapitel hatte man gelernt, auch wenn es einen horrenden Preis für die unschuldigen Opfer kostete.
Menschen wie Nyhuus Anders Bälter ist es zu verdanken, dass die Geschichte der Hexenjagd in Schweden auch ausserhalb der Akademien und Forschungsstätten erzählt werden.
Auf den Spuren der Hexenjagd in Schweden
Heute, fast 350 Jahre nach dem grossen Hexenwahn, findet man in Schweden überall Erinnerungen an diese düstere Zeit. An vielen Orten, wo einst das Drama von 1668–1676 seinen Lauf nahm, laden Gedenkstätten dazu ein, sich mit der Geschichte zu beschäftigen und das Andenken an die Opfer zu ehren. Was in der Vergangenheit grausige Hinrichtungsstätten waren, sind heute Orte des Gedenkens, die nicht nur mahnen, sondern auch informieren.
In Älvdalen, dem Ursprungsort dieses Unrechts, wurde erst kürzlich ein Zeichen der späten Versöhnung gesetzt. Im Mai 2025 wurde feierlich ein neues Hexenmonument enthüllt. Ein schlichter Gedenkstein trägt die bewegende Inschrift «Frid över ert minne» (Friede über eurem Andenken» und erinnert an die 17 Menschen aus Älvdalen, die dem Hexenwahn zum Opfer fielen. 14 von ihnen wurden 1669 hingerichtet, während drei in der Haft starben.

Zur Einweihung des Denkmals wurden die Namen der Getöteten verlesen, und Nachfahren legten Blumen nieder. Der örtliche Kommunalrat hob hervor, wie wichtig dieses Gedenken für die Gemeinde ist, und mahnte zugleich zur Wachsamkeit: Solche Verfolgungen dürften sich nie wiederholen, und man müsse heute darauf achten, wie man über andere urteilt. Besucher, die nach Älvdalen kommen, können das Monument unweit der alten Kirche finden.

Eine Informationstafel erläutert die Ereignisse, und beim Betreten des Ortes spürt man die stille Atmosphäre des Gedenkens. Nicht weit entfernt, in Märbäck, ist zudem der historische Hinrichtungsplatz markiert, wo der Scheiterhaufen von 1669 brannte. In den Sommermonaten bieten lokale Initiativen geführte Themenwanderungen an. So kann man «denselben Weg gehen wie die Verurteilten im 17. Jahrhundert» und mehr über dieses dunkle Kapitel erfahren.
Die traumhafte Natur Älvdalens mit nebelverhangenen Wäldern, klaren Flüssen und dem Duft von Moos und Beeren bildet einen eindrucksvollen, fast unwirklichen Kontrast zu den grausigen Geschichten, die hier einst Realität waren. Gerade dieser Kontrast macht einen Besuch unvergesslich.
Auch Mora pflegt aktiv die Erinnerung an seine hingerichteten «Hexen». Zusammen mit Nyhuus Anders Bälter habe ich den Gedenkstein auf den Sandängarna (Sandfeldern) am Ufer des Österdalälv bei Tuvan besucht. Hier wurden 1669 die 17 Verurteilten verbrannt, und nun steht hier seit Juni 2021 ein Gedenkstein mit all ihren Namen.

Initiiert wurde er von einem engagierten Bürger, der darauf hinwies, dass die Familien der Opfer nie ein Grab hatten, das sie besuchen konnten. Nun, 350 Jahre später, haben die «Hexen von Mora» endlich einen würdigen Erinnerungsort. Der Stein nennt jede einzelne Person und vermerkt ausdrücklich, dass sie unschuldig verurteilt wurden. Sie waren Opfer der «bestialischen Wahnvorstellung der Kirche von der Hexerei», wie es im Vorschlagstext hiess.
Wenn man heute dort steht, wo einst der Scheiterhaufen loderte, kann man sich kaum vorstellen, welch groteskes Unrecht hier geschehen ist. Ein kleines Schild am Flussrand erzählt von der Hexenpanik, die Mora heimsuchte, und vom Mut einiger Weniger, die inmitten der Hysterie Zweifel hegten.

Die Stadt Mora bemüht sich zudem, dieses Erbe pädagogisch aufzubereiten. Im Heimatmuseum der Region findet man Abbildungen des berühmten Kupferstichs von 1670, und lokale Schulen organisieren Projekttage, an denen Jugendliche mehr über die Hexenprozesse erfahren, auch um sie für die Mechanismen von Ausgrenzung und Massenhysterie zu sensibilisieren.
Verschiedene Museen zur Hexenjagd in Schweden
Weiter nördlich, in Härjedalen, lohnt sich ein Abstecher in das kleine Dorf Lillhärdal, wo Gertrud Svensdotter lebte. Auch hier wird der Opfer gedacht. Am Rand der Landstrasse, kurz vor dem Ort, weist ein unscheinbares Schild auf den historischen Hinrichtungsplatz hin. Folgt man dem Weg in den Wald hinein, gelangt man zu einer Gedenkstätte im Grünen. Eine Tafel schildert den Hexenprozess von Lillhärdal, bei dem bis 1672 mehrere Frauen zum Tode verurteilt wurden.
Hinter dem Gedenkstein führt ein schmaler Pfad tiefer in den Wald, angeblich der Weg, den die Verurteilten damals zu ihrer Hinrichtung gingen. In Lillhärdal gibt es zudem ein kleines Häxmuseum, das mit viel Engagement von Einheimischen betrieben wird. Dort kann man Artefakte der lokalen Geschichte sehen und in einer multimedialen Ausstellung erfahren, wie die Hexenhysterie in dieser Gegend ihren Lauf nahm. Es sind oft private Initiativen wie diese, die zeigen, wie sehr die Menschen heute gewillt sind, das Unrecht von einst nicht in Vergessenheit geraten zu lassen.
In Ångermanland, dem Schauplatz der grössten Hexenverfolgung, ist die Erinnerungsarbeit besonders eindrücklich. Das Hügelchen Häxberget/Bålberget bei Torsåker kann man bis heute erwandern. Ein ausgeschilderter Pfad führt vom Dorf Bollstabruk durch Wälder und Wiesen zur Anhöhe, wo 1675 die 71 Opfer ihr Leben liessen. Oben findet der Besucher einen Gedenkstein und eine kleine Aussichtsplattform. Die Inschrift des Steins, gesetzt bereits vor Jahrzehnten, nennt die Zahl der Hingerichteten und das Datum, an dem die Flammen loderten.
Von dort oben hat man einen weiten Blick über Ångermanland. Es ist ein friedlicher Ort, an dem Vogelgesang und der Wind in den Bäumen die einzigen Geräusche sind. Doch mit etwas Vorstellungskraft glaubt man, entfernt die Schreie der unschuldigen Verurteilten zu hören, die hier einst widerhallten.
Unweit des Berges im alten Pfarrhof von Prästmon befindet sich seit einigen Jahren das Häxmuseet (Hexenmuseum) der Hohen Küste. Diese moderne Ausstellung mit dem Titel «Tidens tro drabbar människan» (Der Glaube der Zeit trifft den Menschen) widmet sich ganz den Hexenprozessen von Torsåker 1675. Digitale Installationen und interaktive Stationen lassen die Besucher das Geschehen von damals nachempfinden. Man kann in historischen Dokumenten blättern, den Predigten Hornaeus lauschen und die Aussagen der Kinder in einem nachgestellten Gerichtssaal hören. Ergänzt wird dies durch anschauliche Kulissen.
Man steht etwa in einer nachgebauten Bauernhütte und erlebt in einer dramatischen Inszenierung mit Licht und Ton, wie aus einem harmlosen Dorfklatsch tödlicher Ernst wird. Das Museum, das von der Gemeinde Kramfors betreut wird, hat in den Sommermonaten täglich geöffnet. Die örtliche Tourismus-Info empfiehlt, den Besuch mit der Erkundung weiterer Originalschauplätze zu verbinden. So gibt es eine Web-App «Spelet om Ådalen», mit der man virtuell in die 1670er zurückreisen und den Spuren der Angeklagten folgen kann.
Schliesslich werfen wir noch einen Blick nach Stockholm, wo die Hexenjagd in Schweden ihr Ende fand. Im Quartier Katarina erinnert heute wenig an die Ereignisse von 1676. Die damalige Hinrichtungsstätte am Südermalm ist von der modernen Stadt überbaut.
Doch auch hier gedenkt man der «Hexen» auf zeitgemäße Weise. 2024/25 widmete das Historische Museum in Stockholm dem Thema eine grosse Sonderausstellung mit dem schlichten Titel «HÄXOR» (Hexen). In dieser vielbeachteten Ausstellung konnten Besucher mittels inszenierter Bauernstuben, Bildern und Filmen die Hexenprozesse erleben, die in Schweden in den Jahren 1668–1676 stattfanden. Aktuell ist die Ausstellung im Östergötlands Museum zu finden. ⇢ Östergötlands Museum Die Ausstellung wird später an weiteren Orten zu sehen sein.
Echte Gerichtsakten und persönliche Geschichten von Angeklagten vermittelten ein eindringliches Bild davon, wie aus Gerüchten tödlicher Ernst wurde. Die Resonanz war enorm. Schulen, Familien und Touristen strömten herbei, um sich dieses dunkle Kapitel der Geschichte anzuschauen. Es scheint, als habe Schweden erkannt, dass diese Geschichte Teil des kulturellen Erbes ist, aus dem man Lehren ziehen muss.
Das Fazit zur Hexenjagd in Schweden
Die Hexenverbrennungen in Schweden gehören zu den düstersten Episoden der Landesgeschichte. Was einst ein kleines Mädchen namens Gertrud in Älvdalen auslöste, wuchs sich zu einer Katastrophe aus, in der Hunderte unschuldige Frauen (und einige Männer) ihr Leben verloren.
Heute bemühen sich schwedische Gemeinden und Institutionen, den Opfern Namen und Gesicht zurückzugeben. Gedenksteine, Museen und historische Wanderwege laden dazu ein, sich mit Empathie und Grusel zugleich auf Spurensuche zu begeben. Für Reisende, die sich für Geschichte interessieren, bietet diese Zeitreise an originale Orte einen spannenden sowie nachdenklich stimmenden Einblick in die Abgründe der menschlichen Vorstellungskraft.
Zwischen den roten Holzhäusern und stillen Wäldern Dalarnas, an den Ufern des Siljansees oder auf dem windigen Hügel von Häxberget spürt man heute die Mahnung der Vergangenheit: «Wie dünn der Firnis der Zivilisation sein kann, wenn Angst und Aberglaube die Oberhand gewinnen». Diese Erkenntnis, so erschütternd sie ist, macht den Besuch jener schwedischen Orte, an denen vor Jahrhunderten Hexen verbrannt wurden, zu einer eindringlichen Erfahrung, die man nicht so schnell vergisst.
Quellen
Zur Erstellung und Recherche dieses Textes habe ich das Gespräch mit Anders Bälter, seine Unterlagen, Chat GPT, Monica und Google zur Quellensuche und Verarbeitung der Ergebnisse verwendet. Zur Textkorrektur und Übersetzung von Texten verwende ich Deepl.
Der Artikel basiert auf historischen Berichten, Gerichtsakten und neuesten Forschungen zur grossen Hexenjagd in Schweden (1668–1676). Wesentliche Informationen wurden aus schwedischen und englischsprachigen Quellen zusammengetragen, darunter Wikipedia-Dokumentationen, regionale Zeitungsartikel und Museumswebseiten. So bietet etwa die schwedische Wikipedia eine Übersicht über den Verlauf der Det stora oväsendet und nennt die erschreckende Zahl von rund 280 Hingerichteten in den wenigen Jahren der Hysterie. Detaillierte lokale Studien schildern die Ereignisse in Dalarna, angefangen bei Gertrud Svensdotters Geständnis in Älvdalen über die Prozesse in Mora bis hin zu den spät einsetzenden Zweifeln der Behörden in Stockholm. Die Rolle der Visgossar (Hellseher-Knaben) und der Folter wird in historischen Abhandlungen (z. B. von Hans Högman) anschaulich beschrieben. Zahlen und Fakten zu Torsåker – 71 Hingerichtete auf dem Häxberget – sind auf der Website der Gemeinde Kramfors dokumentiert. Augenöffnend sind auch Berichte aus der heutigen Erinnerungskultur: So meldet der Mora kommuns Webauftritt die Einweihung eines Hexen-Denkmals mit den Namen der 17 Opfer von Mora , und SVT Nyheter berichtete 2025 ergriffen von der Einweihung des Älvdalener Gedenksteins. Für Reisende hält die Tourismus-Webseite Visit Dalarna Hintergrundinformationen bereit und verbindet die dunkle Geschichte mit der Schönheit der Region. Und nicht zuletzt zeigt das Historiska Museet in Stockholm mit seiner Ausstellung, dass diese Geschichte ins Bewusstsein der breiten Öffentlichkeit gerückt ist.
